Wirtschaft : Kreditinstitut weist Spekulationen über einen Rückzug zurück

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Der Rücktritt von Aufsichtsratschef Carl von Boehm-Bezing und damit das Ausscheiden des Vertreters der Deutschen Bank aus dem Kontrollgremium hat am Dienstag wieder Spekulationen über die Zukunft des Baukonzerns Philipp Holzmann ausgelöst. Möglicherweise wolle sich die Deutsche Bank jetzt ganz von Holzmann verabschieden, hieß es in Branchenkreisen. Sprecher von Holzmann und von der Deutschen Bank wiesen solche Spekulationen entschieden zurück. "Das ist kein Rückzug", betonte Deutsche-Bank-Sprecher Walter Schumacher. "Die Deutsche Bank ist über beide Ohren bei Holzmann engagiert." Nach der Hauptversammlung im März werde sie mit rund 29 Prozent wieder größter Aktionär bei Holzmann. Langfristig denkt das Kreditinstitut bei Holzmann aber durchaus, ebenso wie bei ihren anderen Industriebeteiligungen, an einen Verkauf.

Ernst-Ludwig Laux, der stellvertretende Vorsitzende der IG Bauen Agrar Umwelt (IG Bau), hatte die Spekulationen am Dienstag angeheizt. "Wenn Herr Boehm-Bezing und die Deutsche Bank sich überhaupt aus dem Aufsichtsrat verabschiedet, dann ist es ein schlechtes Zeichen, denn die Deutsche Bank ist wichtig im Aufsichtsrat." Boehm-Bezing habe zweifellos viel Druck abbekommen. "Ob das alles richtig ist, kann ich nicht einschätzen", meinte Laux, der selbst im Holzmann-Aufsichtsrat sitzt. Seine Aussage überraschte: Kurz vor Weihnachten hatte der Beirat der IG Bau noch vehement den Rücktritt von Boehm-Bezing gefordert. Nur dann gebe es eine realistische Chance für eine Sanierung.

Holzmann-Betriebsratschef Jürgen Mahneke bedauerte im Gespräch mit dem Tagesspiegel den Rückzug von Boehm-Bezing. "Er hat sich immer fair verhalten." Der Betriebsratschef verwies gleichwohl darauf, dass auch Boehm-Bezings Nachfolger, Ex-Ruhrkohle-Chef Gerhard Neipp, das Vertrauen der Deutschen Bank besitze. Mahneke sagte, er könne nicht erkennen, dass sich die Deutsche Bank bei Holzmann zurückziehen und den Konzern jetzt schnell verkaufen wolle. "Dafür gibt es kein Anzeichen, die Deutsche Bank ist im übrigen demnächst wieder größter Einzelaktionär."

Auch Bankanalysten erwarten nicht, dass die Deutsche Bank ihre Strategie bei Holzmann ändert. Die Deutsche Bank habe vor langer Zeit beschlossen, den Vorsitz in Aufsichtsräten von Industrieunternehmen abzugeben, sagt Michael Klein vom Bankhaus Sal. Oppenheim. Bei Holzmann sei dieses Prinzip verletzt worden, weil das Unternehmen immer ein Wackelkandidat gewesen sei. "Der Rücktritt von Boehm-Bezing leitet aber nicht den Rückzug aus der Holzmann-Sanierung ein. Das würde die Bank noch mehr Geld kosten." Aber wenn ein Konkurrent anklopfe, werde man sich trennen. Auch Thomas Schiessle vom Bankhaus Delbrück sagt, "die Deutsche Bank wird Holzmann weiter zur Seite stehen, wenn auch nicht mehr so stark wie bisher." Einen Käufer sieht der Analyst allerdings auch mittel- und langfristig nicht. Der deutsche Baumarkt leide unter Überkapazitäten, da werde sich niemand Holzmann ans Bein binden.

In Frankfurt gilt als sicher, dass die Deutsche und die anderen Banken die Sanierung von Holzmann zum Abschluss bringen. Dann allerdings würden sie vermutlich einen Käufer suchen. Ob das Unternehmen im Ganzen abgegeben oder zerschlagen wird, ist demzufolge noch völlig offen.

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