Wirtschaft : Kreditinstitute: "Überraschend schwache Entwicklung des Konsums"

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Genau 100 Jahre nachdem die Interessenvertretung privater Banken in Berlin gegründet wurde, treffen sich die Spitzenmanager der deutschen Kreditinstitute am selben Ort wieder. Fruchtbare Diskussionen wünscht man sich zum hundertjährigen Bestehen. Auf die Frage allerdings, ob der erste große deutsche Allfinanzkonzern Allianz-Dresdner die Bankenlandschaft radikal verändern werde, gibt Frank Heintzeler, Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken, lieber keine Antwort. Müssen Bankenverband und Interessenvertretung der Versicherer nicht bald fusionieren? "Kein Kommentar."

Stattdessen wird ein trauriger Ausblick auf die deutsche Konjunktur geboten. Die Wirtschaft werde in diesem Jahr um wenig mehr als zwei Prozent wachsen. Als Ursache nennt der Bankenverband die "überraschend schwache Entwicklung der Konsumausgaben" sowie den Rückgang der Bauinvestitionen. Das niedrigere Wachstum werde auch am Arbeitsmarkt nicht spurlos vorübergehen. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte im Jahresdurchschnitt nur um rund 200 000 Beschäftigte auf etwas unter 3,7 Millionen sinken, weniger als von der Bundesregierung angestrebt. Heintzeler macht einen erheblichen Reformbedarf in Deutschland aus und empfiehlt, die Arbeitszeit stärker zu flexibilisieren und den Kündigungsschutz zu lockern. Eine erweiterte Mitbestimmung der Beschäftigten lehnt er entschieden ab.

"Wir haben in den vergangen zehn Jahren in den USA gesehen, was für ein Potenzial in einer Wirtschaft steckt, wenn die Politiker reformfreudig sind", sagt Heintzeler. Die Vereinigten Staaten blicken auf Jahre des Aufschwungs mit Wachstumsraten von vier Prozent und mehr zurück. Jetzt zeichne sich dort allerdings eine längere konjunkturelle Durststrecke ab, die auch an Europa nicht spurlos vorübergehen dürfte. Für den Euro-Raum erwartet der Bankenverband im laufenden Jahr noch ein Wachstum von 2,5 Prozent, knapp einen Prozentpunkt weniger als im vergangenen Jahr. Die Europäische Zentralbank solle trotz der Konjunkturschwäche "mit ihrer Politik der ruhigen Hand fortfahren". Den Euro bezeichnete Heintzeler als "klar unterbewertet". Zum Jahresende rechnet er mit einem Euro-Dollar-Wechselkurs von eins zu eins.

Das Thema, das Banker derzeit - neben dem Dresdner-Allianz-Deal - wohl am meisten bewegt, heißt Basel II. Gemeint ist die geplante Veränderung der Eigenkapital Anforderungen an die Banken, die im so genannten Baseler Ausschuss diskutiert wird. Kern der Neuregelung: "Wer eine gute Bilanz hat, wird weniger Kreditzinsen zahlen müssen, wer eine schlechte Bilanz hat, dagegen mehr", erklärt Heintzeler. "Das ist gut so." Je nach Risikoeinstufung verändert sich nämlich auch die Eigenkapitalbelastung der Banken. Das Bonitätsrisiko eines Unternehmes muss künftig in einem Rating festgestellt werden, und da setzt die Kritik der deutschen Banken an. "Die Regeln zum internen Rating benachteiligen überproportional die nicht so guten Bonitäten", sagt Heintzeler. Dies treffe "große Teile der mittelständischen Wirtschaft", die sich auf verschärfte Kreditkonditionen einstellen müssen. Dennoch erwartet der Bankenverband "keinen dramatischen Einfluss auf die Investitionstätigkeit".

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