Wirtschaft : Krieg um eine Hand voll schwarzen Sand

Der Kongo leidet unter der Ausbeutung seiner Bodenschätze – die UN verdächtigt auch deutsche Firmen, davon zu profitieren

Christian Staas

Für die einen ist es ein Hightech-Werkstoff, für die anderen ein grober schwarzer Sand, den sie für ein paar Dollar das Kilo in Plastikflaschen verhökern. Die einen, das sind internationale Großunternehmen – die anderen sind Minenarbeiter im Kongo, die mit Schaufel und Hacke aus der Erde schürfen, was am anderen Ende der Welt Firmenbilanzen zum Glänzen bringt: Coltan.

Aus dem Coltan-Erz werden Tantal und Niob gewonnen. Westliche Firmen stellen aus diesen Spezialmetallen Bauteile für Handys und Computer her. Im Kongo wird um Coltan Krieg geführt. Schätzungen zufolge liegen hier über 60 Prozent der Weltreserven. Neben Gold, Diamanten, Erdöl und Edelhölzern ist der schwarze Sand einer der Gründe für das seit fünf Jahren anhaltende Morden. Der Handel ist dabei so undurchschaubar wie blutig. Zwischen den Minen vor Ort und den Firmen in der ersten Welt profitieren Warlords, Milizen, Geschäftsleute und korrupte Politiker vom Coltan-Abbau.

Eine Arbeitsgruppe der UN zur „illegalen Ausbeutung von Rohstoffen im Kongo" versucht seit mehr als zwei Jahren aufzudecken, wer an diesem Geschäft verdient. Auch deutsche Firmen hat die UN im Verdacht, billiges Coltan aus dem Kongo zu importieren und damit den Bürgerkrieg zu schüren: die Bayer-Tochter H.C. Starck und die Holding KHA International des süddeutschen Unternehmers Karl-Heinz Albers.

Am vergangenen Donnerstag hat die UN-Arbeitsgruppe ihre Untersuchung beendet. Beweise, die eindeutig belegen, dass H.C. Starck und KHA in illegale Geschäfte mit Rebellengruppen verwickelt sind, konnte sie jedoch bis heute nicht liefern. Für Cornelia Heydenreich von der Organisation German Watch lässt sich daraus jedoch keineswegs folgern, dass die Firmen unschuldig sind. Vielmehr zeige es, wie schwierig es ist, Licht ins Dunkel des Rohstoffhandels zu bringen. „Zum Teil wissen die Firmen selber nicht, woher das Coltan kommt", sagt sie, „zum Teil wollen sie es aber auch gar nicht wissen."

Das Coltan-Erz hat im Kongo, wie andere Rohstoffe, eine Spirale der Gewalt in Gang gesetzt: Die Minen zu kontrollieren, ist Ziel der Kriegsparteien; wer sie kontrolliert, kann von den Erträgen neue Waffe kaufen, um weiter Krieg zu führen – eine sich selbst finanzierende Kriegswirtschaft. Kriegsparteien waren zunächst die Länder, die in das frühere Zaire (heute Demokratische Republik Kongo) einmarschierten. Ruanda, Uganda, Simbabwe, Angola und Namibia brachen 1998 und danach zu wahren Raubzügen auf. Mittlerweile haben sie ihre Truppen abgezogen. Ein wirklicher Frieden ist jedoch nicht in Sicht, denn an ihrer Stelle bekämpfen sich die Handlanger der früheren Besatzer.

Das UN-Panel hat auf diese Zusammenhänge und die Verstrickungen deutscher Konzerne bereits im April 2001 hingewiesen. Nach der Veröffentlichung des dritten UN-Berichtes vom Oktober 2002 gerieten die Firmen erneut unter Druck. Im Mai dieses Jahres erklärte H.C. Starck, das Unternehmen beziehe seit Herbst 2001 nur noch Coltan von australischen Minen. Und davor? Erst auf wiederholtes Nachfragen sagte Pressesprecher Manfred Bütefisch dem Tagesspiegel, H.C. Starck habe damals „von Händlern gekauft, denen wir heute nicht mehr vertrauen würden, weil ihnen nachgewiesen wurde, dass sie mit Rebellen kooperieren“.

Dies war zu einer Zeit, als der Coltan-Preis förmlich explodierte. 2000 verzehnfachte sich der Kilopreis innerhalb weniger Monate auf 760 Dollar. Die Ursache: Die Handy- und IT-Branche boomten, die Nachfrage stieg rasant an. Inzwischen hat sich der Preis auf circa 160 Dollar eingepegelt; der Bedarf ist gedeckt.

Die im UN-Bericht kritisierte deutsche Firma KHA International betreibt selbst eine Mine im Kongo, mitten im Rebellengebiet. Wem sie gehört, ist undurchsichtig: 25 Prozent der Aktien hält KHA International zufolge die kongolesische Regierung, Technischer Leiter der Grube ist ein Ingenieur aus Rheinland Pfalz. Dessen Frau sammelt Spenden für das Dorf Lueshe, in dem die Minenarbeiter leben. KHA-Chef Karl-Heinz-Albers hat nach eigenen Angaben „noch keinen Pfennig mit der Mine verdient“. Es gehe ihm ausschließlich darum, die Region zu stabilisieren.

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