Wirtschaft : Kriegsgetöse oder mehr? Kosovo-Krise verstört die Märkte

FRANKFURT (MAIN) (ina/HB/Tsp).Die Verschärfung der Kosovo-Krise und die Kurseinbußen an der New Yorker Börse haben am Mittwoch an den europäischen Finanzmärkten ihre Spuren hinterlassen.Die Aktienkurse gaben an den meisten europäischen Börsen nach, nachdem der Dow-Jones-Index in New York am Vortag kräftig eingebüßt hatte.Der Dax sank im Parketthandel um 134,90 auf 4780,13 Punkte.Am Devisenmarkt zeigte sich der Euro zum Yen schwächer, konnte jedoch gegenüber dem Dollar zulegen.

Der starke Rückgang der Kurse an der Wall Street, wo der Dow-Jones-Index am Dienstag mit minus 2,2 Prozent den stärksten Abschlag seit dem 14.Januar verbuchen mußte, wurde von Beobachtern in Verbindung mit der Zuspitzung der Krise um den Kosovo gebracht.Verglichen mit den Krisen um den Irak und Somalia, als das Kursbarometer noch gestiegen war, sei die Situation nun bedrohlicher.Der Krieg werde nicht so einfach zu gewinnen sein, zudem sei der Schauplatz in Europa.Das drückt auf die Stimmung.(Siehe auch die Graphiken).

Für Aufmerksamkeit an der Wall Street sorgte Abby Joseph Cohen.Die Staranalystin von Goldman Sachs revidierte ihre Zwölfmonats-Indexziele für Dow Jones und S & P 500 auf 10 300 beziehungsweise 1325 Punkte nach oben.Danach bildete sich am Mittwoch im Eröffnungsgeschäft an der US-Börse keine eindeutige Tendenz heraus.

Bei den europäischen Standardwerten fielen am späten Nachmittag im Schnitt Verluste von 1,5 Prozent an.Den größten Einfluß an den Aktienbörsen übten dabei die Dienstagsverluste an Wall Street aus.Die überdurchschnittlichen Verluste der US-Technologietitel belasteten auch die Branchenwerte in Europa.Zusätzlich drückte die Gewinnwarnung des weltgrößtem Herstellers von Mobiltelefonen auf die Stimmung: Der Aktienkurs der schwedischen Ericsson fiel deutlich.

In Deutschland litt unter diesen Einflüssen besonders der technologielastige Neue Markt mit Mobilcom an der Spitze.Der Neue-Markt-Index verlor bis zum späten Nachmittag mehrere Prozent.Der Xetra-Dax setzte seine Talfahrt im Vergleich zum Vortag - wie viele andere Indizes in Europa - mit verlangsamtem Tempo fort und verlor bis kurz vor Handelsende rund zwei Prozent.Unter stärkerem Druck standen die Automobilwerte, nachdem die Bekanntgabe gesunkener Exportpreise in der Branche die Sorgen der Analysten vor einer Abkühlung der Automobilkonjunktur schürte.

Stärker hatten die fernöstlichen Börsen auf die US-Vorgaben reagiert.Die Investoren verkauften computerabhängige Titel und Exportwerte, so daß die marktbreiten Indizes in Tokio und Hongkong rund drei Prozent verloren.

Gewinner der "Flucht in die Qualität" angesichts der Belastungen an den Aktienbörsen waren wieder einmal die Rentenmärkte, ohne daß die Kursgewinne größere Ausmaße erreichten.Sie fielen auch weniger bei den langen als vielmehr bei den kurzen bis mittleren Laufzeiten an.In Deutschland sank die Rendite der zehnjährigen Bund leicht auf 3,98 Prozent, der Bund-Future stieg knapp über die Marke von 114 Prozent, wobei Händlern zufolge auch der Angebotsdruck durch die neue 4 Mrd.Euro schwere Bundesanleihe eine Rolle spielte.

Unter Händlern hieß es außerdem, in Gesamteuropa würden die steigenden Ölpreise mit Sorge beobachtet.Das könne die Inflation beleben und sei deshalb ungünstig für die Rentenmärkte.

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