Wirtschaft : Kriegskasse von Thyssen prall gefüllt

Zielrendite von 15 Prozent auf das eingesetzte Kapital wird fast erreicht

DÜSSELDORF (ews).Trotz aller Turbulenzen des vergangenen Jahres habe sich die Thyssen AG, Duisburg, nicht vom Kurs abbringen lassen.Das erklärte Vorstandsvorsitzender Dieter Vogel, der sein Amt spätestens im Herbst niederlegen wird, wenn die Fusion mit der Fried.Krupp AG Hoesch-Krupp, Essen, von den Hauptversammlungen abgesegnet wird.Die Optimierung der Geschäftsfelder mit Verkäufen und Allianzen sei im Geschäftsjahr 1996 / 97 (zum 30.9.) zügig vorangekommen. Im laufenden Jahr werde sie unverändert vorangetrieben: Bei den Werften werde mit der Preussag AG, Hannover, weiter über eine Allianz verhandelt, bei der Thyssen eine maßgebliche Quote behalten wolle."Die Werften sind kein Kerngeschäftsfeld, aber wir wollen uns auch nicht davon trennen", betonte Vorstand Eckhard Rohkamm.In ein Joint venture mit dem niederländischen Konzern SHV Energy N.V.werden Schrotthandel und Schrottverarbeitung eingebracht.Abgegeben wird auch die Haustechnik der Bautechniksparte bei der Handelsunion.Dafür gebe es mehrere Angebote.Für die Logistiksparte werden ebenfalls Allianzen angestrebt.Insgesamt geht es dabei um ein Umsatzvolumen von 5,3 Mrd.DM.Im Jahresabschluß sind die Verlusterwartungen aus den Desinvestitionen aufwandsmäßig schon verkraftet, erklärte Finanzvorstand Heinz-Gerd Stein. Auf der anderen Seite ist aber die Kriegskasse prall gefüllt für Zukäufe in den Kerngeschäftsfeldern.Da sind offensichtlich einige Verhandlungen kurz vor dem Abschluß, auch wenn Vogel dazu noch nichts sagen wollte.Festhalten will Thyssen auch an der Telecom-Tochter (Umsatz 109 Mill.DM, Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit 60 Mill.DM).Allerdings werde für die Festnetzaktivitäten ein Partner gesucht, während der Multimediabereich eigenständig weiterentwickelt werden soll, betonte Vogel.Darin nicht enthalten ist der Umsatz des Mobilfunkbereichs von E-Plus.Der 30 Prozent-Anteil wurde kurz vor Geschäfsjahresschluß an Veba und RWE für 2,3 Mrd.DM verkauft.Eine weitere Mrd.DM wurde aus dem Verkauf der restlichen Anteile der Rheinischen Kalksteinwerke erzielt.Mit diesen außerordentlichen Erlösen wurde das Ergebnis vor Steuern von 654 Mill.DM auf 3,34 Mrd.DM mehr als verfünfacht. Der Start ins neue Geschäftsjahr verlief sehr erfreulich: Der Umsatz wurde im 1.Quartal um 26,3 Prozent auf 11 Mrd.DM gesteigert.Das Ergebnis, das nicht näher beziffert wurde, liegt deutlich über dem Vorjahreswert, wobei alle fünf Bereiche über dem Mindestwert von 12,5 Prozent der Rendite des verzinslichen Kapitals lagen.Im Vorjahr sei Thyssen zudem dem Ziel der angepeilten 15 Prozent-Marke deutlich näher gekommen. Mit der Steigerung von 9 Prozent auf 14,2 Prozent sei ein positiver Konzernwertbeitrag von 230 Mill.DM erwirtschaftet worden."Das schafft ein finanzielles Polster für die Unwägbarkeiten der Wegstrecke bis zur Jahrtausendwende, die mit oder ohne Fusion kaum vermeidbar sein werden", so Vogel.Die Stärkung der Kerngeschäfte, viele Zukäufe wirkten sich 1996/97 noch nicht voll aus, weil sie erst spät im Jahr erfolgten, werden den Auslandsanteil am Umsatz von nun 68 Prozent weiter ansteigen lassen.Damit werde eine deutlich bessere Weltmarktstellung erreicht und das Ertragsniveau massiv verbessert, erklärte Vogel weiter.Dazu wurde mit 4,2 Mrd.DM das größte Investitionsprogramm in der Thyssen-Geschichte abgewickelt.Davon entfielen 2,4 Mrd.DM auf das Ausland.Die wichtigsten Übernahmen waren der US-Werkzeugmaschinenhersteller Giddings & Lewis sowie mehrere Zukäufe im Werkstoffhandel, darunter war Copper and Brass in den USA.Die Unternehmensbereiche waren 1996 / 97 durchweg auf gutem Ertragskurs: Investitionsgüter und Verarbeitung setzten "Maßstäbe mit einem stolzen Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit" von 650 Mill.DM.Die neu formierte Thyssen-Budd Automotive erwirtschaftete ein Vorsteuerergebnis von 240 Mill.DM,.Handel und Dienstleistungen 223 Mill.DM.Die Thyssen-Stahl trug 428 Mill.DM bei.

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