Wirtschaft : Kriegsrallye an den Börsen

Finanz- und Ölmärkte setzen unbeirrt auf ein baldiges Ende des Konflikts – Dax über 2700 Punkten, Wall Street steigt

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Berlin (mot). Der Beginn der Großoffensive im Irak bestärkte die Investoren am Freitag in ihrer Hoffnung auf ein baldiges Ende des Konflikts. Die Aktienkurse in Europa und den USA stiegen erneut kräftig an. Der Dax kletterte über die Marke von 2700 Punkten und lag zum Handelsschluss um 4,2 Prozent höher bei 2715 Punkten. Auch an der Wall Street ging die Kursrallye weiter. An den Ölmärkten brachen dagegen die Preise weiter ein. Ein Barrel Nordseeöl kostete zuletzt 24,20 Dollar – nach 26,20 Euro am Vortag.

Beruhigend auf die Finanzmärkte wirkten auch Äußerungen der EUStaats- und Regierungschefs auf ihrem Frühjahrsgipfel. Im Falle einer Wirtschaftskrise, werde die EU „gemeinsam eingreifen“, sagte der amtierende Vorsitzende des Finanzministerrates Nikos Christodoulakis. Dann werde auch die EZB handeln und die Zinsen möglicherweise weiter senken. Währungskommissar Pedro Solbes sagte, der Krieg sei zwar ein außergewöhnliches Ereignis, rechtfertige aber nicht automatisch eine Überschreitung der im Euro-Stabilitätspakt verankerten Defizitobergrenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. „Es gibt keine Freistellung von vornherein“, sagte der Spanier.

An den Finanz- und Rohölmärkten bleibt derweil der Irak-Krieg das beherrschende Thema. Ungeachtet der unbestätigten Nachrichten von brennenden Ölfeldern zeigten sich die Märkte optimistisch. Auch der Verfallstag an verschiedenen Terminmärkten, der so genannte Hexensabbatt (siehe Lexikon, Seite 18), blieb ohne Überraschungen. Die Umsätze seien aber „sehr dünn“, sagten Händler. Der Euro Stoxx 50, der die größten europäischen Unternehmen zusammenfasst, stieg zuletzt um knapp vier Prozent. Gleichzeitig brach der V-Dax um zeitweise mehr als zehn Prozent ein. Grundlage dieses „Angstbarometers“ ist die Volatilität, also die vom Markt erwartete Intensität künftiger Preisschwankungen. Das starke Absinken deutet an, dass sich die Nervosität der Marktteilnehmer deutlich gelegt hat.

Der Euro-Referenzkurs gab nur geringfügig im Vergleich zum Dollar nach. Die EZB stellt ihn bei 1,0572 (Donnerstag: 1,0592) Dollar fest. Der Korbpreis für sieben Rohölsorten der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) sank am Donnerstag auf durchschnittlich 26,51 US-Dollar je Barrel (159 Liter). 28 Dollar gelten als der von der Opec angestrebte Höchstpreis. Auch die Benzinpreise bröckelten in Deutschland weiter.

Obwohl der Dax binnen einer Woche mehr als 20 Prozent zugelegt hat, finden sich immer noch Optimisten, die mit weiter steigenden Kursen rechnen. Große Investmenthäuser, die unter der bisherigen Flaute besonders gelitten haben, stimmten am Freitag in den allgemeinen Tenor ein: Sowohl Credit Suisse First Boston als auch Goldman Sachs glauben, dass die europäischen Aktienmärkte die Trendwende geschafft haben. Credit Suisse erklärte, nach dem Ende der Berichtssaison für das erste Quartal helle sich der Ausblick auf das zweite Geschäftsquartal auf. Skeptisch äußerte sich die Commerzbank: Dem Aufschwung an den Börsen fehle die „fundamentale Untermauerung“, Anleger müssten sich weiterhin auf sehr nervöse Märkte und Rückschläge einstellen.

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