Wirtschaft : Kriegstrommeln in Kaschmir

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Indien und Pakistan waren in den vergangenen Monaten schon so oft am Rande eines Krieges, dass der Eindruck entstand, letztlich werde keiner der beiden Kontrahenten den kritischen Punkt überschreiten. Doch mit einer Botschaft an seine in Kaschmir zusammengezogenen Truppen lieferte Indiens Premierminister Atal Behari Vajpayee vergangene Woche den bislang stärksten Hinweis darauf, dass er ernsthaft einen Krieg in Erwägung zieht: „Es ist an der Zeit, eine entscheidende Schlacht zu schlagen". Auch wenn Vajpayee seine Rhetorik etwas gedämpft hat, so sind dies doch gefährliche Aussagen, vor allem wenn gleichzeitig beinahe eine Million indischer und pakistanischer Soldaten an der Grenze mobilisiert sind.

Für die Krise gibt es eine Reihe von Gründen. Viele Beweise zeigen, dass islamische Separatisten noch immer von Pakistan aus nach Kaschmir einsickern. Pakistans Präsident Pervez Musharraf scheint sein Versprechen, hart gegen diese Terroristen vorzugehen, nicht einhalten zu können - oder er will es nicht. Indiens Premier Vajpayee verschärfte unterdessen den Ton gegenüber dem Nachbarstaat und stellte immer neue Bedingungen auf, sodass nun beide Seiten wenig Spielraum für Krisenmanöver haben.

Hinzu kommt, dass beide Regierungschefs aus einer Position innenpolitischer Schwäche agieren. Vajpayees verunsicherte BJP-Partei findet in Indien Unterstützung nur noch bei militanten Hindu-Nationalisten, und Militärmachthaber Musharraf scheiterte mit dem Versuch, durch ein Referendum Legitimität zu gewinnen.

Das Verhältnis beider Staaten ist in einer kritischen Phase, doch stehen beide vor Durchbrüchen, die ethnische Auseinandersetzungen künftig unwahrscheinlicher machen. Indiens wirtschaftliche Reformen beginnen Früchte zu tragen, und in Pakistan gelangen Musharraf im Zuge des Antiterror-Krieges Schläge gegen religiöse Eiferer. Auf diesen Erfolgen könnten beide Regierungen aufbauen, wenn es zuvor gelingt, den Krieg zu verhindern. Dass beide Seiten die Krise entschärfen, wird Washington sicherstellen müssen. Wenn die schwachen Führer zweier Atommächte nicht das nötige staatsmännische Geschick aufbringen, um ihren Kollisionskurs zu verlassen, bleibt den USA keine Alternative - sie müssen vermitteln.

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