Kriminalität : Anklage fordert im Liechtenstein-Prozess mehrjährige Haftstrafen

Im Prozess um die mutmaßliche Erpressung der Liechtensteinischen Landesbank hat die Staatsanwaltschaft langjährige Haftstrafen für die drei Angeklagten gefordert. Insbesondere der "Bandenchef" Michael F. könnte bis zu sieben Jahre hinter Gittern landen.

Liechtenstein-Bankenerpresser
Prozess um mutmaßlichen Liechtensteiner Bankenerpresser. -Foto: dpa

RostockDer Hauptangeklagte Michael F. soll wegen gewerbs- und bandenmäßiger Erpressung in einem besonders schweren Fall für sechs Jahre und acht Monate hinter Gitter, für die beiden anderen Angeklagten forderte die Staatsanwaltschaft jeweils drei Jahre und neun Monate Haft. Für F. wurde zudem noch die anschließende Sicherungsverwahrung beantragt, "der Angeklagte ist gefährlich", erklärte der Anklagevertreter in seinem Plädoyer. Der Fall steht nicht im Zusammenhang mit dem durch die Durchsuchung bei Ex-Postchef Klaus Zumwinkel bekanntgewordenen Ankauf gestohlener Daten der Liechtensteiner LGT-Bank.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft haben sich die Männer auf noch ungeklärtem Weg rund 2300 LLB-Kontobelege mutmaßlicher deutscher Steuersünder beschafft, um damit die Bank und vier ihrer Kunden zu erpressen. F. hatte den Handel mit den Daten gestanden, eine Erpressung aber abgestritten. Die beiden anderen Angeklagten hatten sich in dem Prozess nicht zu den Tatvorwürfen geäußert.

"Ein Schatten von Zweifel" an Zeugenaussagen

Ein LLB-Mitarbeiter hatte während des Prozesses bestätigt, dass für die Rückgabe eines Teils der Kontodaten in den Jahren 2005 und 2007 Zahlungen in Höhe von rund neun Millionen Euro geleistet worden seien, das Geld sei teilweise in Schweizer Franken gezahlt worden. Die Zahlung der letzten Rate in Höhe von 4 Millionen Euro sei für August 2009 vorgesehen gewesen.

Für die Erpressung gibt es nach Ansicht der Staatsanwaltschaft mehrere Beweise. So sei im Prozess ein entsprechender E-Mail-Verkehr vorgelegt worden. Bei der Verhaftung von F. im September 2007 am Hamburger Flughafen seien unter den rund 450.000 Euro in seinem Gepäck auch 18 Geldscheine aus den Zahlungen der LLB gewesen. Zudem seien bei der Mutter eines der Angeklagten Quittungen für den Umtausch von Schweizer Franken in Euro gefunden worden. Darüber hinaus war F. im Besitz der Kontobelege, wie dies die Rückgabe der Belege im Laufe des Prozesses gezeigt habe. Auch seien die Ausführungen von Zeugen, die mit den Angeklagten gemeinsam in Gefängnissen saßen, letztlich glaubwürdig, auch wenn es dafür "einen Schatten von Zweifel" gebe, sagte der Staatsanwalt.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft haben die drei Angeklagten bei der Erpressung gemeinsam gehandelt, sie hätten sich einen Plan zurecht gelegt und ihn umgesetzt, F. sei der Bandenchef gewesen. (sba/dpa)

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