Kriminelle Energie : Vertuschungsskandal beim Atomkonzern Tepco

Der japanische Atomkonzern Tepco, dem zwei der drei vom Tsunami betroffenen Anlagen gehören, ist schon oft wegen dubioser Machenschaften aufgefallen. Offenbar hatte der Energieversorger systematisch Pannen vertuscht.

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Gesenkte Häupter. Der stellvertretende Vorsitzende von Tepco, Takashi Fujimoto (2. von rechts) verbeugt sich mit anderen Managern während einer Pressekonferenz.
Gesenkte Häupter. Der stellvertretende Vorsitzende von Tepco, Takashi Fujimoto (2. von rechts) verbeugt sich mit anderen Managern...Foto: AFP

Vertuschung, Fälschung, Unterschlagung: Die Katastrophe in den japanischen Atomkraftwerken hat eine fragwürdige Vorgeschichte. Zwei der drei nun betroffenen Anlagen gehören dem Betreiber Tokyo Electric Power (Tepco), der in den vergangenen Jahren häufig für negative Schlagzeilen gesorgt hat. Der größte Stromversorger Japans hat mit einer dubiosen Informationspolitik und teilweise krimineller Energie dafür gesorgt, dass seine Reaktoren am Netz bleiben.

Tepco ist eines der größten Unternehmen Japans. Der Energiekonzern betreibt drei große Nuklearkomplexe mit 17 Reaktoren. In den vergangenen Jahren ist Tepco mehrfach unter Druck geraten. 2002 legten der Präsident, der Geschäftsführer und weitere Manager ihre Ämter nieder, weil Tepco seit Beginn der 80er-Jahre in mindestens 29 Berichten technische Angaben gefälscht hatte. Mehr als zwanzig Jahre lang hatte Tepco mindestens 13 Reaktoren mit mangelhaften Teilen betrieben. Offenbar hatte Japans größter Energieversorger Sicherheitsvorschriften systematisch verletzt und Pannen vertuscht. Kurz nach Bekanntwerden des Skandals musste ein Reaktor in Fukushima vorübergehend abgeschaltet werden, weil aus einem Leck Radioaktivität entwich.

In der Folge des Vertuschungsskandals wurden alle 17 Reaktoren von Tepco für eine Sonderprüfung abgeschaltet. Trotzdem kam es in Fukushima auch in den nachfolgenden Jahren immer wieder zu Zwischenfällen. 2006 wurden erneut Risse in einem Wasserrohr entdeckt und im Juni 2008 schwappte radioaktives Wasser aus einem Becken, in dem verbrauchte Brennstäbe lagerten. Auch damals war die Ursache ein Erdbeben. Im Atomkraftwerk Mihama starben im August 2004 vier Arbeiter, als heißer Dampf austrat.

Gegen Tepco gab es immer wieder Vorwürfe wegen gefälschter Papiere und Reaktordaten. Auch im Jahr 2007 kam erst nach Monaten das Ausmaß des Schadens am Tepco-Atomkraftwerk Kashiwazaki-Kariwa heraus, das im Juli 2007 von einem Erdbeben der Stärke 6,8 erschüttert worden war. Das leistungsstärkste Atomkraftwerk der Welt wurde daraufhin für knapp zwei Jahre abgeschaltet. Tepco behauptete zunächst, die Anlage sei nicht beschädigt worden, musste jedoch nach und nach immer mehr Schäden eingestehen – unter anderem dass radioaktives Material über das Abwasser hinausgelangt war. Tepco gab zu, eine Erdbebenlinie direkt unter der Anlage übersehen zu haben. Trotz Klagen von Anwohnern und einer Petition mit 600 000 Unterschriften wurden die Reaktoren im Mai 2009 wieder hochgefahren.

Einem Bericht der „Financial Times Deutschland“ zufolge hat Tepco seit 2010 keine Sachversicherung für seine Kraftwerke mehr gekauft, sondern kommt für Schäden an den Werken selbst auf. Allerdings gelten die Folgen von Atomunfällen in der Branche ohnehin als nahezu unversicherbar, da die Schäden kaum zu kalkulieren sind.

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