Wirtschaft : Kriminelle Kreditvermittler setzen Schuldner unter Druck

Millionen Haushalte können ihre Darlehen nicht zurückzahlen/Neues Insolvenzrecht sorgt für Probleme

Berlin (ueb). Die Überschuldung privater Haushalte richtet in Deutschland Milliardenschäden an. Das sagten Experten zum Abschluss der „Aktionswoche Schuldnerberatung“ am Donnerstag in Berlin. Verursacher seien unseriöse Geschäftemacher, die die finanzielle Notlage Überschuldeter auf kriminelle Weise ausnutzen. Etwa drei Millionen Haushalte gelten hier zu Lande als überschuldet. Dubiose Kreditvermittler tragen dazu bei, die Notlage der Betroffenen noch zu verschlimmern. Dazu nutzen sie das seit 1999 gültige Insolvenzrecht für Privatpersonen. Das private Insolvenzverfahren soll eigentlich helfen, der Schuldenfalle zu entkommen. Die Opfer benötigen dazu aber die Hilfe einer Schuldnerberatung oder eines Rechtsanwalts. Alternativ bieten sich aber auch „gewerbliche Schuldenregulierer“ oder „Kreditvermittler“ an. In Kleinanzeigen mit Hinweisen wie „Ohne Bürgen, ohne Wartezeiten, auch in schwierigen Fällen“ versprechen sie, die oft komplizierten finanziellen Verhältnisse zu ordnen und mit neuen Krediten alte abzulösen. Doch in fast allen Fällen haben sie es nur auf eine zu zahlende „Vermittlungsprämie“ abgesehen. Neue Kredite vermitteln sie fast nie.

Echte Hilfe bekommen die Schuldner dagegen bei nicht kommerziellen Schuldnerberatungsstellen, doch deren Wartezeiten betragen oft bis zu einem halben Jahr – zu lang für verzweifelte Schuldner, denen die Gläubiger im Nacken sitzen. „Nur etwa zehn bis 15 Prozent der überschuldeten Haushalte können beraten werden“, sagte Sven Gärtner, Sprecher des Arbeitskreises „Geschäfte mit der Armut“. Grund sei die finanzielle Unterversorgung der Schuldnerberatungsstellen.

Dabei hat eine Studie der Evangelischen Fachhochschule Berlin ergeben, dass die Arbeit der Schuldnerberatungen dem Staat etwa das Doppelte der eingesetzten Mittel spart, weil die Verschuldeten ohne die Beratung letztlich in die teure Sozialhilfe rutschen. Den staatlichen Mitteln stehe jedoch eine Übermacht profitgieriger Kredithaie gegenüber, die viel Geld in Kleinanzeigen stecken und für sich Werbung machen, klagen die Schuldnerberater.

Schwierig ist auch die juristische Verfolgung der Betrugsfälle, da es sich oft um relativ geringe Beträge handelt, die Anzahl der Geschädigten aber sehr hoch ist. Außerdem sind die Opfer meist schlecht informiert und haben kein Geld für einen Anwalt. Geschädigte in Berlin erhalten Hilfe beim Forum Schuldnerberatung ( www.forum-schuldnerberatung.de ) oder bei der Verbraucherzentrale Berlin unter der Nummer (030) 214850.

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