Wirtschaft : Krise bei Jobvermittler wird zum Politikum

CDU will Unstimmigkeiten bei der Berliner BBJ Consult AG zum Thema im Parlament machen

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Berlin Die Arbeitsagentur Berlin-Mitte will ihre Zusammenarbeit mit der BBJ Consult AG, die deutschlandweit rund 20 Personal-Service-Agenturen betreibt, vorzeitig beenden. Wie der Tagesspiegel gestern berichtet hatte, hatte die BBJ wegen Liquiditätsproblemen einem Teil der PSA-Mitarbeiter ausstehende Gehälter nicht zahlen können. Der Bundesverband für Zeitarbeit (BZA) forderte am Freitag, die PSA generell abzuschaffen. „Der Fall BBJ ist ein weiterer Beweis dafür, dass das Konzept der PSA nicht funktioniert“, sagte Verbandspräsident Volker Enkerts dem Tagesspiegel. Die CDU kündigte an, dem Fall BBJ Consult AG „in der kommenden Woche parlamentarisch nachzugehen“, wie Karl-Josef Laumann, Arbeitsmarktexperte der CDU-Bundestagsfraktion, dem Tagesspiegel sagte. „Das riecht doch sehr nach Maatwerk“, so Laumann weiter. Die Maatwerk GmbH, einst der größte PSA-Betreiber in Deutschland, hatte im Februar dieses Jahres Konkurs anmelden müssen. Bei der BBJ hieß es allerdings, die Gefahr einer Insolvenz bestehe nicht.

„Die BBJ hat jetzt schriftlich bestätigt, dass die noch ausstehenden Gehälter für die PSA-Mitarbeiter überwiesen worden sind“, sagte Frank-Michael Süß, Sprecher der Arbeitsagentur Berlin-Mitte, nach einem Treffen zwischen Vertretern der BBJ und der Arbeitsagentur. Das ändere aber nichts daran, dass die Arbeitsagentur ihre Zusammenarbeit mit der BBJ vorzeitig beenden wolle, sagte er. Zu welchem Termin der Vertrag aufgekündigt werde, werde allerdings erst in der kommenden Woche beschlossen.

Auch die Regionaldirektion Berlin-Brandenburg hat sich jetzt eingeschaltet. „Wir haben sämtliche Arbeitsagenturen in der Region, die mit PSA der BBJ zusammenarbeiten, über die Vorkommnisse informiert“, sagte Direktionssprecher Ralf Möller dem Tagesspiegel. Die BBJ betreibt laut Möller in Berlin und Brandenburg insgesamt 13 PSA. Er kündigte an, dass der Sachverhalt bei der BBJ in der kommenden Woche genauer geprüft werden solle.

Der Bundesverband Zeitarbeit forderte von den Arbeitsagenturen ein hartes Durchgreifen gegenüber der BBJ Consult AG. „Die finanzielle Situation des Unternehmens muss jetzt genauestens geprüft werden, alles andere wäre grob fahrlässig“, sagte BZA-Präsident Enkerts. Der Konkurs von Maatwerk habe dem Image der gesamten Zeitarbeitsbranche geschadet. „Einen zweiten Fall Maatwerk können wir uns nicht leisten“, so Enkerts.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg gibt es derzeit deutschlandweit 861 PSA, die insgesamt rund 35300 Mitarbeiter beschäftigen. Seit Einführung der Personal-Service-Agenturen waren dort insgesamt 86411 Arbeitslose beschäftigt, lediglich 17816 von ihnen haben eine dauerhafte Anstellung gefunden. Allerdings sagt diese Zahl wenig über die Vermittlungsquote der PSA aus: Denn die Statistik unterscheidet nicht, ob die Festanstellung durch die Vermittlung der PSA oder durch Eigeninitiative des Arbeitslosen zustande gekommen ist. Die PSA seien gescheitert, konstatierte CDU-Arbeitsmarktexperte Laumann. „Die Regierung hatte angekündigt, dass über die PSA jährlich bis zu 350000 Arbeitslose in eine dauerhafte Anstellung vermittelt würden“, so Laumann weiter. Das Jobwunder sei aber ausgeblieben und komme die Bundesarbeitsagentur teuer zu stehen. Bisher habe die Bundesagentur für die PSA 340 Millionen Euro an Fördermitteln ausgegeben. „Es ist doch verrückt, staatlich subventionierte PSA einzurichten, wenn die gleiche Arbeit genauso gut von privaten Zeitarbeitsfirmen kostenlos erledigt werden kann“, sagte Laumann.

Dass branchenfremde PSA-Betreiber wie die BBJ Consult AG keine Chance auf dem Zeitarbeitsmarkt haben, glaubt auch BZA-Präsident Enkerts. „Bildungsträger oder andere Einrichtungen, die eine PSA betreiben, ohne Erfahrungen im Zeitarbeitsgeschäft zu haben, sind zum Scheitern verurteilt“, so Enkerts. Den PSA-Betreibern, die nicht aus der Zeitarbeitsbranche kommen, fehle der Marktzugang, heißt es auch bei der Zeitarbeitsfirma Randstad. Das Unternehmen betreibt selbst deutschlandweit rund 30 PSA. „Dafür haben wir keine eigene Organisation aufbauen müssen, sondern wir haben die PSA in unsere bereits bestehenden Strukturen integriert“, sagte Randstad-Sprecherin Petra Timm.

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