Wirtschaft : Krise der Telefonfirmen belastet Siemens

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Berlin (msh). Der Siemens-Konzern hat im vergangenen Quartal ein besseres Ergebnis erreicht als von den Finanzmärkten erwartet. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen lag mit 892 Millionen Euro um rund 200 Millionen über den Schätzungen der Analysten. Im dritten Quartal des Vorjahres hatte Siemens wegen Sondereffekten noch einen Verlust von 479 Millionen Euro verbucht. Trotz des positiven Ergebnisses sorgten weniger Aufträge und ein negativer Ausblick für das laufende Quartal für Verdruss an der Börse. Der Kurs der Siemens-Aktie verlor zeitweise mehr als acht Prozent, erholte sich aber wieder und schloss mit einem Plus von 0,80 Prozent bei 50,50 Euro.

In einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld bleibt die Netzwerksparte das Sorgenkind des Konzerns. Der Umsatz mit Vermittlungstechnik für Telefonfestnetze brach um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal auf 2,19 Milliarden Euro ein. „Das Geschäftsvolumen mit den Netzbetreibern nimmt weiter ab“, sagte Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger. Im Glauben, die Sprach- und Datenübertragung werde explodieren, bauten Telekommunikationsfirmen wie Worldcom gigantische Überkapazitäten bei Glasfaserleitungen auf. Gleichzeitig investierten sie hohe Summen in Techniken wie UMTS, die noch keine Einnahmen bringen. Mit Ausgaben bei Ausrüstern wie Siemens halten sich die Telekomfirmen jetzt zurück.

Siemens reagierte mit einem Arbeitsplatzabbau auf die veränderten Marktbedingungen. Bisher ist die Streichung von 16 500 der ursprünglich 53 000 Stellen geplant. Im laufenden vierten Quartal wird die Netzwerksparte das Ergebnis des Konzerns mit einem „dreistelligen Millionenbetrag“ belasten, sagte Neubürger. Zu einem weiteren Arbeitsplatzabbau wollte er sich nicht äußern. In Berlin demonstrierten am Mittwoch mehrere Hundert Beschäftigte gegen den Arbeitsplatzabbau. Die Gewerkschaft IG Metall befürchtet, dass in Berlin mindestens 500 Stellen gestrichen werden.

Wegen der hohen Restrukturierungsaufwendungen rechnet der Siemens-Konzern im laufenden Quartal einen Gewinnrückgang. „Das Ergebnis wird unter dem Niveau des dritten Quartals liegen“, sagte Konzernchef Heinrich von Pierer. Und das, obwohl dann ein außerordentlicher Ertrag für den Verkauf der US-Firma Unisphere in Höhe von 400 Millionen Euro anfällt.

In die roten Zahlen rutschte die Mobilfunksparte. Verantwortlich für den Verlust von neun Millionen Euro war das schwache Geschäft mit Netztechnik für den Mobilfunk und der anteilige Verlust des PC-Herstellers Fujitsu Siemens, der in der Mobilfunksparte verbucht wird. Gut läuft das Handy-Geschäft: Im Vergleich zum Vorquartal blieb der Absatz mit 8,2 Millionen Stück stabil. Siemens verdiente mit den Mobiltelefonen 28 Millionen Euro. „Das Geschäft mit Handys wird aber härter“, sagt Siemens-Analyst Jörg Natrop von der WGZ Bank. Wolle Siemens wieder auf den dritten Platz auf dem Weltmarkt vorrücken, müsse der Konzern stärker in Marketing und neue Modelle investieren. Natrop: „Das drückt auf die Margen.“

Zehn der insgesamt 13 Siemens-Bereiche schreiben derzeit schwarze Zahlen. Besonders gut schneiden die Bereiche Medizintechnik und Energieerzeugung ab, die zusammen fast 720 Millionen Euro erwirtschafteten. In der Medizintechnik waren besonders Computertomographen gefragt. Bei Gasturbinen bricht dagegen der Boom in den USA ab. Im Bereich Energieerzeugung ging der Auftragseingang um die Hälfte zurück. Von Pierer will den Rückgang durch Aufträge aus anderen Regionen und durch das Service-Geschäft ausgleichen. Im Konzern sanken die Aufträge um 20 Prozent.

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