Wirtschaft : Krise hat auch Vietnam erreicht

FREDERIK BALFOUR (AFP)

Investoren packen ihre Koffer / Der Dong ist überbewertetVON FREDERIK BALFOUR (AFP) HO CHI MINH STADT.Leere Hotels und stillstehende Kräne in Ho Chi Minh Stadt sind Zeichen dafür, daß die allgemeine Misere in Südostasien nun auch Vietnam erreicht hat.Zwar ist das Land nicht direkt von der Finanzkrise und dem Währungsverfall in den anderen Staaten der Region betroffen, dennoch steht die Regierung in Hanoi unter Druck: Ausländische Unternehmen fordern die Abwertung der Landeswährung Dong, weil Vietnam sonst als Investitionsstandort uninteressant wird. "Der Dong ist verdammt teuer", sagt Juels Carlsson, Chefvertreter des US-Agrarhandelsgiganten Cargill, und spielt damit auf die Abwertungen der Währungen in den anderen asiatischen Nachbarländern an.Angesichts der Überbewertung würde selbst dann niemand investieren, wenn das Investitionsklima perfekt und die Steuern bei Null wären, sagt Carlsson.Schon gibt es Anzeichen, daß Investoren aufgrund der teuren Landeswährung lieber die Finger von Vietnam lassen."Viele Firmen schließen bereits ihre Büros im Land", klagt Song Su Song, Direktor des koreanischen Handelszentrums (Kotra) in Ho Chi Minh Stadt.Dies geschehe hauptsächlich wegen der asiatischen Finanzkrise, aber auch wegen des Investitionsklimas.Vor allem Unternehmen, die lediglich Repräsentationsbüros in Vietnam besitzen und dort keine direkten Investitionen getätigt haben, ziehen sich zurück, so Song Su Song.Zunehmend gibt es aber auch ausländische Firmen, die versuchen, aus Gemeinschaftsprojekten herauszukommen. So sucht die Korea First Bank nach einem Käufer für ihre Mehrheitsanteile bei der Firstvina Bank in Hanoi.Sie ist eine der ingesamt drei vietnamesischen Banken, an denen ausländische Investoren beteiligt sind.Die malaysische Ongko-Gruppe plant unterdessen den Verkauf ihrer Anteile an einer Keramikfabrik in Ho Chi Minh Stadt, ebenfalls ein Joint-Venture. Während sich die asiatischen Unternehmen aus finanziellen Gründen einschränken müssen, sind finanzkräftigere West-Firmen ungehalten über Probleme mit ihren vietnamesischen Geschäftspartnern.So ficht der US-amerikanische Konzern Procter and Gamble derzeit einen erbitterten Kampf mit seinem Partnerunternehmen aus, das keine zusätzlichen Mittel an Procter and Gamble in Vietnam zahlen will, obwohl die Firma bereits Verluste von 35 Mill.Dollar (umgerechnet über 62 Mill.DM) einfuhr.Mehrere Kredite konnten nicht zurückgezahlt werden.Nun steht der Konkurs ins Haus.Die Regierung und das vietnamesische Staatsunternehmen, das an dem Joint Venture beteiligt ist, müßten grünes Licht für eine Erhöhung unserer Anteile geben, fordert der Direktor von Procter and Gamble in Vietnam, Alan Hed. Die vietnamesische Regierung nimmt die Anzeichen drohender Kapitalflucht offenbar ernst.So versucht Hanoi, die ausländischen Investoren wieder für sich zu gewinnen: In der vergangenen Woche hörte sich Vietnams Regierungschef Phan Van Khai aufmerksam den Kummer ausländischer Investoren über Korruption, Bürokratie und die vietnamesische Justiz an.Die 400 ausländischen Geschäftsleute, die die Konferenz besuchten, honorierten den Vorstoß der Regierung.Kaum einer erwartet davon allerdings einen großartigen Wandel des Investitionsklimas. Auch an anderer Stelle signalisierte die Regierung Bereitschaft, den Investoren entgegenzukommen: Sie verabschiedete in der vergangenen Woche ein neues Dekret für Investitionen.Außerdem kündigte Hanoi an, ausländischen Geschäftsvereinigungen einen legalen Status zu geben.Mit der Anerkennung hätten sie eine Stimme als offizielle Lobby.Ein in Ho Chi Minh Stadt tätiger westlicher Anwalt hält den Einsatz der Regierung allerdings für nicht ausreichend.Das neue Dekret enthalte zwar allerhand Kleinigkeiten."Aber wenn du in New York sitzt und überlegst, nach Vietnam zu gehen, beeinflußt das deine Meinung nicht".

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben