Wirtschaft : Krise trifft größte Luftfahrtschau Asiens

"Asian Aerospace" mit weniger Besuchern und Ausstellern / Dasa sieht Chancen in der Region SINGAPUR/MÜNCHEN (dpa).Überschattet von der schweren Wirtschaftskrise der Region beginnt an diesem Dienstag in Singapur die größte Luftfahrtschau Asiens, die "Asian Aerospace".Doch trotz zurückgeschraubter Erwartungen setzen die großen Hersteller im zivilen wie militärischen Bereich langfristig auf weiteren Zuwachs und hoffen auf ein rasches Ende der Turbulenzen. "Auf 20 Jahre gesehen bleibt Asien für uns die Weltregion mit dem stärksten Wachstum", sagte Sean Lee, der Sprecher des europäischen Airbus-Konsortiums in Singapur.Boeing-Vizepräsident Larry Dickinson betonte am Vorabend der Schau, es habe bisher keine Vertragskündigungen gegeben - höchstens Verzögerungen.Asien soll 1998 wie geplant 35 bis 40 Prozent zum Gesamtumsatz beitragen. Der deutsche Luft- und Raumfahrtkonzern Dasa sieht in Asien trotz der Krise langfristig Wachstumsperspektiven.Ein Sprecher der Daimler-Benz Aerospace AG (Dasa), München, verwies am Montag auf den langfristigen Charakter der Geschäftsabschlüsse in der Branche.Die Dasa hat direkt und indirekt bereits ein vielfältiges Asien-Geschäft.So gehören Singapore Airlines und Cathay Pacific zu den größeren Kunden des Airbus-Konsortiums, an dem die Dasa mit 37,9 Prozent beteiligt ist. Die Zahlen der drittgrößten Luftfahrt-Ausstellung, die alle zwei Jahre in Singapur stattfindet, lassen dennoch die Krise erkennen: Die Veranstalter rechnen bis zum 1.März mit einem zehnprozentigen Rückgang der Besucher.1996 waren es 27 000.Auch die Zahl der Aussteller ging um 30 auf 950 zurück."Viele Verträge werden hier diesmal nicht geschlossen werden", sagte ein Branchenkenner.Vor allem im militärischen Bereich, wo Südostasien neben dem Nahen Osten zu den stärksten Wachstumsmärkten zählte, schlagen die finanziellen Turbulenzen durch.Auch die Zivilluftfahrt mußte ihre Erwartungen zurückschrauben.Das Passagieraufkommen im Asien-Pazifik-Raum wird von der Internationalen Lufttransportvereinigung IATA für 2001 nur noch mit 175 Millionen veranschlagt, 30 Millionen weniger als in früheren Hochrechnungen.Nicht umsonst setzt Boeing deshalb auf seine Neuentwicklung "717", die, noch von McDonnell-Douglas übernommen, als 100-Sitzer Nachfolger der "DC-9" werden soll: In Zeiten schrumpfender Passagieraufkommen eine willkommene Bereicherung der Modellpalette am unteren Ende.Airbus erhofft sich Fortschritte beim Projekt des China Airbus "AE 316/317", dessen Partner Singapore Technologies vor kurzem Unzufriedenheit geäußert hatte.Die USA zogen zum Bedauern vieler ihre für Schauflüge gemeldeten B1-Bomber, F-117-Tarnkappenflugzeuge und KC-10-Transporter zurück.Die Maschinen werden - trotz Entspannung - zunächst weiter im Mittleren Osten gebraucht. Nach Ansicht von Experten wird die Euro-Währung auf lange Sicht dem US-Dollar als wichtigstes Zahlungsmittel in der Luftfahrtindustrie Konkurrenz machen.Vom Euro würden auch die europäischen Hersteller im Kampf mit der US-Konkurrenz profitieren, sagte der Präsident des britischen Branchenverbandes SBAC , Gordon Page, am Montag.

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