Wirtschaft : Krise? Welche Krise?

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Von Henrik Mortsiefer

Josef Ackermann sorgt für Aufregung in der diskreten Bankenszene. Der Vorschlag des Chefs der Deutschen Bank, eine Auffanggesellschaft für faule Kredite zu gründen, treibt private Konkurrenten und Sparkassen auf die Barrikaden. Plötzlich ist von einer Krise die Rede, die die Frankfurter Banker selbst ständig dementiert und klein geredet haben. Hinter vorgehaltener Hand werden die Äußerungen Ackermanns deshalb mit Verärgerung und Häme kommentiert. Zugleich müssen die Verbraucherschützer verunsicherte Kunden beruhigen: Die Ersparnisse sind sicher.

Ackermanns Idee einer „Bad Bank“ ist in mehrfacher Hinsicht absurd – ganz gleich ob sie ein Gedankenspiel beim Abendessen im Kanzleramt oder ein reales Krisenszenario ist. Nach missglückten Abenteuern im Investmentbanking und einer zu spät an die Risiken angepassten Kreditvergabe klopfen die privaten Banken beim Staat an. Denn wer sonst sollte am Ende für die faulen Kredite in einer Auffanggesellschaft gerade stehen? Dass sich Ackermann gleichsam von sich selbst distanziert und die Deutsche Bank ihre Risiken lieber selber absichern will, macht ihn nicht überzeugender. Würde die Deutsche Bank als einziges Institut im Zweifel auf staatliche Hilfe verzichten?

Die deutschen Banker tun zurzeit wenig, um die in der Tat schwierige Lage ihrer Branche zu entschärfen. Dass das Thema Risikomanagement erst jetzt mit solcher Wucht über die deutschen Geldhäuser hereinbricht, zeigt nur, was die Branche bisher versäumt und was die USKonkurrenz den Deutschen voraus hat. Keine gute Idee ist es jedenfalls, Öl ins Feuer zu gießen und mit unsinnigen Vorschlägen eine Krise erst herbeizureden.

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