Wirtschaft : Krise zwingt Zeitungen zu Fusionen

Wirtschaftsprüfer rechnen mit ausländischen Investoren

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Frankfurt (Main) (ro). Die angespannte Finanzlage, die wachsende Konkurrenz durch das Internet und die schwache Marktstellung vieler kleiner Verlage drängen Zeitungen in Deutschland mehr und mehr in Fusionen und Übernahmen. Dabei rechnet die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst&Young nicht nur mit einer wichtigeren Rolle größerer Verlagshäuser, sondern auch mit dem Einstieg ausländischer Investoren und Beteiligungsgesellschaften. Sie könnten davon profitieren, dass Banken immer seltener bereit seien, Verlage mit Krediten zu unterstützen.

In Großbritannien habe man mit dem Einstieg von Beteiligungsgesellschaften bei Verlagen in den 90er Jahren gute Erfahrungen gemacht. Die Neustrukturierung habe den Zeitungsgruppen den erfolgreichen Zugang zum Kapitalmarkt eröffnet, sagte Lutz Frey, Partner bei Ernst&Young. Die Konzentration auf dem deutschen Zeitungsmarkt wird nach seiner Ansicht durch die wahrscheinliche Lockerung der Fusionskontrolle erleichtert. Mehr als 70 Prozent der Verleger rechnen selbst mit einer verstärkten Konzentration, ergab eine Ernst&Young-Umfrage unter rund 100 der knapp 350 Zeitungsverlage.

Die Krise der vergangenen Jahre hat bei vielen Zeitungsverlagen die Rücklagen aufgezehrt. „Etliche Häuser stecken seit zwei oder drei Jahren in roten Zahlen und die Perspektiven sind nicht günstig“, sagte Frey. Die Konjunkturkrise und die Konkurrenz des Internets haben die Einnahmen im Anzeigengeschäft wegbrechen lassen. Seit 2000 sei der Umfang auf 27 Prozent gesunken, gemessen am Umsatz sei der Rückgang noch dramatischer. Besonders gravierend (seit 2000 um fast 50 Prozent) war der Einbruch bei Rubrikenanzeigen für Immobilien, Autos oder Stellen. Dass das Internet auch Zeitungen Chancen bietet, zeige die USA. Dort seien 90 Prozent der Printmedien im Netz vertreten und einige machten auch Gewinn, sagte Frey.

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