Wirtschaft : Krisen auch in Zukunft

Der IWF muß sich wappnen und schärfer vorgehen

Der IWF hat in Hongkong wichtige Beschlüsse gefaßt.Gleichzeitig gibt es eine kontroverse Diskussion über die Arbeit des "Welt-Finanzpolizisten" in Hinblick auf die Finanzkrise in Asien.Unser Korrespondent Rolf Obertreis sprach darüber mit Bundesbank-Direktoriumsmitglied Helmut Schieber.Er gilt als "Außenpolitiker" der Bundesbank-Spitze. TAGESSPIEGEL: Was sollte der IWF besser machen? SCHIEBER: Im Vergleich zur Krise in Mexiko, wo die Lage sehr spät erkannt und sehr spät reagiert wurde, war man sich in Thailand über die Situation rechtzeitig im Klaren.Die Regierung war aber nicht bereit, auf die Mahnungen des IWF zu reagieren.Es wird also für den IWF in Zukunft die entscheidende Frage sein, was er tut, wenn er die Probleme richtig diagnostiziert, aber die Regierungen nicht bereit sind, auf diese Ratschläge einzugehen. TAGESSPIEGEL: Werden solche Währungs- krisen zu einer normalen Erscheinung? SCHIEBER: In einer Welt, in der sich Kapitalströme völlig frei bewegen, sind Krisen nicht auszuschließen.Heute gibt es 180 Länder, die mehr oder weniger in die Weltwirtschaft integriert sind.Da ist es durchaus möglich, daß das eine oder andere Land wirtschaftspolitisch falsch reagiert.Es ist zum einen nötig, solche Entwicklungen möglichst zu verhindern.Zum anderen aber auch, sich zu wappnen, damit man mit solchen Krisen umgehen kann. TAGESSPIEGEL: US-Multi-Milliardär George Soros und der malaysische Ministerpräsident Mahathir sind hier in Hongkong heftig aneinander geraten.Sind Spekulanten die Auslöser solcher Krisen? Muß ihr Treiben gestoppt werden? SCHIEBER: Sicher sind nicht die Spekulanten die Übeltäter.Weit mehr als die Hälfte der Spekulanten sind normale Anleger.Sie versuchen, sich gegen erkennbar werdende Risiken zu schützen.Wenn ich irgendwo Geld seriös angelegt habe und merke, in diesem Land geht etwas schief, versuche ich, mich gegen Verluste zu schützen.Es gibt natürlich auch Spekulanten, die an Krisen Geld verdienen.Aber auch das ist legitim.Der Versuch jedenfalls, ein Land aus dem internationalen Kapitalverkehr auszuschließen, ist nicht nur unmöglich.Er wird versagen, weil Kapital viel zu beweglich ist.Es ist auch schädlich für das Land, weil es dann aus dem internationalen Arbeits- und Wirtschaftsaustausch ausgeschlossen wird. TAGESSPIEGEL: Das Kapital des IWF wird aufgestockt.Gibt es jetzt neue Löcher im Bundeshaushalt, weil Deutschland zahlen muß? SCHIEBER: Nein.Die Aufstockung der Sonderziehungsrechte ist neu geschaffenes Geld.Das zahlt niemand.Das ist wie eine Art internationale Geldschöpfung.Die Erhöhung der Eigenmittel des IWF bezahlt die Bundesbank, weil sie Anteilseigner des IWF ist.Das berührt den Bundeshaushalt überhaupt nicht. TAGESSPIEGEL: Die Jahrestagung in Hongkong verschlingt wie die Treffen in Bangkok 1991 und in Madrid 1994 einen zweistelligen Dollar-Millionenbetrag.Wäre es nicht billiger und sinnvoller, sich immer am Sitz von IWF und Weltbank in Washington zu treffen? SCHIEBER: Es ist sicher gut, wenn der IWF und die Weltbank Flagge zeigen und sich auch in den Regionen der Welt ein Bild machen.Ob dies in diesem Stil wie hier geschehen muß, ist eine Frage, die man mit Fug und Recht stellen kann.Aber man muß auch unterscheiden zwischen dem offiziellen Teil und dem Treffen von Bankern, Investoren und Großanlegern.

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