Krisenbank : HRE sieht sich mit Milliardenklage konfrontiert

Aktionäre wollen fast eine Milliarde Euro Schadensersatz von der maroden Immobilienbank erwirken. Sie werfen dem ehemaligen HRE-Vorstand systematische Täuschung vor.

Die Klagesumme in dem bereits laufenden Verfahren vor dem Münchner Landgericht solle kommende Woche "nunmehr auf fast eine Milliarde Euro" aufgestockt werden, sagte der Hauptkläger, der Jurist Christian Wefers, der Süddeutschen Zeitung. Bislang hatte er 200 Millionen Euro Schadensersatz verlangt.

Wefers wirft der HRE vor, unter ihrem alten Vorstand Georg Funke den Anlegern zu lange ihren wahren Zustand verheimlicht zu haben. Das Münchner Gericht hatte dem Juristen zum Prozessauftakt im August wenig Hoffnung auf Schadenersatz gemacht und einen Vergleich angeregt.

Seitdem habe er aber zahlreiche "zusätzliche Informationen und Beweise" erhalten, mit denen er die bisherigen Ansprüche wie auch neue Forderungen untermauern könne, sagte Wefers der Zeitung. Beispielsweise habe die HRE im vergangenen Jahr verschwiegen, dass die deutsche Bankenaufsicht bei einer Sonderprüfung auf gravierende Mängel bei dem Immobilienfinanzierer gestoßen sei. Diese Information wäre für Anleger, die HRE-Aktien kaufen wollten, wichtig gewesen, sagte Wefers weiter.

Zudem habe der ehemalige HRE-Chef Georg Funke spätestens im September 2007 bereits gewusst, dass das Geschäftsmodell des kurz darauf übernommenen irischen Staatsfinanzierers Depfa nicht tragfähig gewesen sei. Auch das sei den Anlegern nicht mitgeteilt worden.

Der Jurist fordert deswegen Schadenersatz für die mittlerweile nahezu wertlosen HRE-Anteile. Kapitalanlagefonds aus dem In- und Ausland hatten ihre Forderungen an Wefers abgetreten. Dazu zählen dem Blatt zufolge unter anderem Fonds der Sparkassen und Landesbanken sowie des Versicherungskonzerns Allianz. Dahinter stünden Hunderttausende, wenn nicht sogar mehrere Millionen Privatanleger, sagte Wefers. Sein Anwalt Andreas Tilp strebt einen Musterprozess an, in dem alle anhängigen Verfahren zusammengefasst werden. Auch andere ehemalige HRE-Aktionäre klagen mittlerweile auf Schadenersatz. Allein die Münchner Kanzlei Rotter vertritt 62 Anleger.

Die HRE wies die neuen Vorwürfe zurück. Die Gesellschaft habe sich stets korrekt verhalten und gehe deshalb davon aus, dass die Klagen ohne Erfolg blieben, sagte ein Sprecher der Bank. Funkes Anwälte wollten sich nicht äußern. Der Ex-HRE-Chef prozessiert vor dem Landgericht München gegen seinen Rauswurf und hatte dort beteuert, stets korrekt gehandelt zu haben.

Bund und Finanzwirtschaft mussten die HRE vor einem Jahr wegen Fehlspekulationen der Depfa vor dem Aus retten. Seitdem wird das Institut mit Garantien in Höhe von 100 Milliarden Euro über Wasser gehalten. 90 Prozent der Aktien gehören mittlerweile dem Staat, der Rest soll Anfang Oktober in seinen Besitz kommen. Nach einer Kapitalspritze von drei Milliarden Euro durch den Bankenrettungsfonds braucht die HRE voraussichtlich noch weitere sieben Milliarden, um über die Runden zu kommen.

Quelle: ZEIT ONLINE, Reuters

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