Krisengespräche : Wie Lufthansa den Air-Berlin-Deal noch retten will

Die Lufthansa macht Zugeständnisse bei der EU-Kommission in Brüssel, um die Übernahme großer Teile der Air Berlin noch genehmigt zu bekommen.

Protestzug von Air-Berlin-Mitarbeitern am 22. November in Berlin: Viele fühlen sich durch die Art, wie der Verkauf an Lufthansa organisiert worden ist, verschaukelt.
Protestzug von Air-Berlin-Mitarbeitern am 22. November in Berlin: Viele fühlen sich durch die Art, wie der Verkauf an Lufthansa...Foto: AFP/Adam Berry

Die Lufthansa will Insidern zufolge mit Zugeständnissen den Air-Berlin-Deal retten. Der Konzern werde noch im Laufe des Abends bei der EU-Kommission Vorschläge einreichen, um kartellrechtliche Zweifel auszuräumen, erfuhr Reuters am Donnerstag von einer mit der Situation vertrauten Person. Verhandlungskreise bestätigten dem Tagesspiegel die Informationen Dabei gehe es etwa um den Verzicht auf Start- und Landerechte – sogenannte „Slots“ – der Air-Berlin-Töchter Niki und LGW. Die Lufthansa hatte noch bis Donnerstagabend 23.59 Uhr Zeit den Bedenken der EU-Kommission durch eine Änderung der Übernahmeabsicht Rechnung zu tragen.

Am späten Nachmittag hatte es ein Krisentreffen zwischen Vertretern der Bundesregierung und der Lufthansa gegeben. Dabei sollte ausgelotet werden, mit welchen Zugeständnissen grünes Licht der EU-Kommission für die Übernahme von Teilen der insolventen Air Berlin erreicht werden könnte. Vor allem gehe es um die österreichische Tochter Niki, die die Lufthansa sich einverleiben will. Niki hatte, anders als die Muttergesellschaft, keine Insolvenz anmelden müssen und fliegt weiterhin klassische Sonnenziele rund um das Mittelmeer an - ab Berlin-Tegel zum Beispiel etwa vier bis acht am Tag.

Lufthansa droht mit dem Aus der Airline Niki

Während die Lufthansa einen Kommentar ablehnte, erklärte die Kommission, die Untersuchung laufe und man könne das Ergebnis nicht vorwegnehmen. Die „Bild am Sonntag“ berichtete vorab, die Bundesregierung sei alarmiert und dränge die Lufthansa zu Zugeständnissen gegenüber der EU, um den Deal nicht zu gefährden. Aus Verhandlungskreisen erfuhr der Tagesspiegel Details über die Verhandlungsstrategie der Lufthansa. So laute ein Argument: Sollte die Übernahme platzen, bekomme die Regierung ihren Staatskredit von 150 Millionen Euro an Air Berlin womöglich nicht zurück. Denn der Kredit war durch die Verkaufserlöse abgesichert – und im Übrigens mit knapp zehn Prozent pro Jahr verzinst. Würde der Kauf von rund 81 der gut 140 Maschinen (samt Slots und dem für den Betrieb nötigen Personal) in der geplanten Form genehmigt werden, hätte der Bund mit dem Kredit sogar noch ein Geschäft gemacht.

Ein anderes Argument der Lufthansa laute: Nur der Frankfurter Konzern habe sich in den Verhandlungen bereiterklärt, eine signifikante Summe für den Weiterbetrieb von Niki und anderen Geschäftsbereichen bereitzustellen, um einen möglichst nahtlosen Weiterbetrieb von Flottenteilen der einstigen Air Berlin zu gewährleisten. Anderen Bieter wie die Thomas-Cook-Airline Condor und die International Airline Group (IAG, British Airways und Iberia) hätten dafür keine Mittel aufbringen wollen. Gerade IAG soll zuletzt in Brüssel am meisten Stimmung gegen den Zuschlag für Lufthansa gemacht haben.

Wenn die EU zu lange Prüft, verliert Air Berlin an Wert

Die Lufthansa hatte im Oktober von Air Berlin den Zuschlag für die Töchter Niki und LGW für rund 210 Millionen Euro bekommen. Die Brüsseler Wettbewerbshüter müssen dem Zukauf noch zustimmen und entscheiden am 7. Dezember. Die Kommission könnte sie die Frist um zwei Wochen bis kurz vor Weihnachten verlängern. In schwierigen Fällen nimmt sie sich 90 Werktage Zeit. Falls die EU-Kommission so eine vertiefte Prüfung plant, würde die Lufthansa wohl die aktuelle Zwischenfinanzierung von Niki einstellen. Im Umfeld der deutschen Airlines, heißt es: Niki wäre dann binnen weniger Tage pleite und müsste den Flugbetrieb einstellen. Dabei galt die Airline, die einst von dem Formel-1-Weltmeister Niki Lauda gegründet worden war als kleine Perle im Air-Berlin-Konzern. Gut möglich, dass Lufthansa sie auch behalten kann – wenn sie dafür genügend Slots abgibt. (mit Reuters)

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