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Krisenmanagement : EZB legt Hilfsprogramm für Banken auf

Die Schuldenkrise hat sich zu einer Bankenkrise ausgewachsen. Zu verhindern, dass die Institute in Europa reihenweise zusammenbrechen, darauf konzentriert die Politik nun alle ihre Kräfte.

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Außer Haus. Normalerweise tagt der EZB-Rat am Hauptsitz der Zentralbank in Frankfurt. Zweimal wird eines der Euro-Mitgliedsländer besucht, diesmal war Berlin dran.
Außer Haus. Normalerweise tagt der EZB-Rat am Hauptsitz der Zentralbank in Frankfurt. Zweimal wird eines der Euro-Mitgliedsländer...Foto: dapd

Noch ringt Griechenland mit seinem Schicksal. Noch kämpft die Regierung in Athen verzweifelt gegen die Pleite ihres Landes. Die europäischen Partner aber haben inzwischen schon viel größere Sorgen: Die Schuldenkrise, die in Athen ihren Ausgang nahm, hat sich zu einer Bankenkrise ausgewachsen.

Zu verhindern, dass die Institute in Europa reihenweise zusammenbrechen, darauf konzentriert die Politik nun alle ihre Kräfte. Die Europäische Zentralbank kündigte am Donnerstag an, den Banken zusätzliche Kredite bereitstellen zu wollen, um ihre Liquidität abzusichern. Bundeskanzlerin Angela Merkel, der Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, Weltbank-Präsident Robert Zoellick und EZB-Präsident Jean-Claude Trichet ging es um die Frage, wie man die Institute stützen kann. Und José Manuel Barroso, der Chef der Europäischen Kommission, forderte in einem Interview eine „koordinierte Aktion“ der europäischen Regierungen, um ihre Banken zu rekapitalisieren.

Ob eine Bank zu wenig Kapital hat oder zu wenig Liquidität, sind im Grunde unterschiedliche Probleme. Die Ursache aber ist in beiden Fällen dieselbe: Die Angst der Investoren vor der Pleite eines oder mehrerer Schuldenstaaten. Viele Banken haben Kredite an Länder wie Griechenland, Italien oder Spanien verliehen, zudem haben sie Kredite an die Unternehmen und die Banken dort gegeben. Fallen diese Kredite aus oder werden sie nicht vollständig zurückgezahlt, schrumpft langfristig das Kapital der Bank, also das Vermögen, das ihren Aktionären oder anderen Anteilseignern gehört.

Liquididät hingegen ist das Geld, das eine Bank nicht fest angelegt, sondern zur freien Verfügung, also „flüssig“ hat und aus dem sie Forderungen, zum Beispiel von ihren Kunden, bezahlen kann. Dieses Geld leiht sie sich in der Regel über die Europäische Zentralbank, aber auch bei anderen Banken. Dieser Markt droht nun ins Stocken zu geraten. Die Institute trauen einander nicht mehr. Keiner weiß, welche Risiken aus faulen Staatsanleihen in den Bilanzen der anderen stecken – und ob sie genügend Kapital haben, um Verluste zu verkraften.

Um sicherzustellen, dass die Banken zahlungsfähig bleiben, legt die EZB jetzt zwei langfristige Refinanzierungsgeschäfte, genannt Tender, auf: Eines mit einer Laufzeit von zwölf Monaten im Oktober und ein weiteres mit einer Laufzeit von 13 Monaten im Dezember. Die Banken sollen sich so viel Geld leihen können, wie sie brauchen. Außerdem will die Zentralbank den Instituten Pfandbriefe in Höhe von 40 Milliarden Euro abkaufen. Diese Maßnahmen hatten sich bereits in der Finanzkrise als Hilfe bewährt, als sich die Banken nach der Lehman-Pleite gegenseitig kaum noch Geld liehen. Als die EZB damals den ersten 12-Monats-Tender auflegte, besorgten sich mehr als 1000 Banken aus der Euro-Zone die Rekordsumme von 442 Milliarden Euro.

Lesen Sie auf Seite zwei mehr dazu, warum die EZB den Leitzins nicht veränderte.

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