Krisenmanagement : Siemens erzielt unerwarteten Gewinn

Der Elektrokonzern überrascht Analysten mit einem deutlichen Gewinnzuwachs. Gleichzeitig bereitet das Unternehmen seine Beschäftigten auf personelle Einschnitte vor.

Siemens hat im ersten Geschäftsquartal dank seines Sparkurses den Gewinn deutlich gesteigert. Das Betriebsergebnis der drei Kernsektoren Industrie, Energie- und Medizintechnik stieg im abgelaufenen Vierteljahr verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um elf Prozent auf 2,26 Milliarden Euro, wie der Konzern im Vorfeld seiner Hauptversammlung mitteilte. Den Überschuss erhöhte Siemens sogar um knapp ein Viertel auf 1,53 Milliarden Euro. Damit übertraf der Konzern die Erwartungen von Analysten, die im Schnitt mit einem Gewinnrückgang um gut ein Fünftel gerechnet hatten.

Gleichzeitig schrumpfte der Umsatz im Auftaktquartal des Siemens-Geschäftsjahres, das am 30. September beginnt, auf 17,35 Milliarden Euro und lag zwölf Prozent unter dem des Vergleichsquartals. Der Auftragseingang ging um 15 Prozent auf 18,98 Milliarden Euro zurück. Für das laufende Geschäftsjahr deutete Siemens-Chef Löscher eine Anhebung der bisherigen Prognosen an. Zwar unterstrich er das Ziel, im gesamten Jahr ein operatives Ergebnis von 6,0 bis 6,5 Milliarden Euro einzufahren. Davon hat Siemens allerdings im ersten Quartal bereits fast 2,3 Milliarden Euro eingefahren – mehr als ein Drittel. Das Ergebnisziel werde daher nach dem ersten Halbjahr auf den Prüfstand gestellt, sagte Löscher.

Unterdessen bereitete er die Siemens-Beschäftigten auf personelle Einschnitte vor. Kurzfristige Einbrüche bei der Nachfrage sollten weiterhin möglichst abgefedert werde, sagte Löscher. Anpassungsmaßnahmen seien jedoch dort unumgänglich, wo es dauerhaft strukturelle Veränderungen der Märkte und der Wettbewerbssituation gebe. Das betreffe dann einzelne Geschäftsbereiche und Standorte.

Am kommenden Donnerstag will die Unternehmensleitung die Betriebsräte im Wirtschaftsausschuss über geplante Schritte informieren. "Es sind punktuelle Maßnahmen, und es sind geschäftsspezifische Maßnahmen, die wir hier im Blick haben", sagte Löscher, ohne die Zahl der betroffenen Mitarbeiter oder sonstige Details zu nennen. Bei strukturellen Veränderungen der Geschäfte gehe es aber beileibe nicht immer um einen Stellenabbau.

Das Handelsblatt berichtete in seiner Onlineausgabe, dass Siemens betriebsbedingte Kündigungen zwar nicht ausschließe. "Wir sind davon aber meilenweit entfernt", sagte Personalvorstand Siegfried Russwurm der Zeitung. Ein unternehmens- oder sektorweites Stellenabbau-Programm werde es nicht geben.

Die IG Metall geht dem Blatt zufolge davon aus, dass Siemens im laufenden Geschäftsjahr durch Verkäufe und Stellenstreichungen 10.000 Jobs abbauen könnte. "Das könnte eine realistische Größenordnung sein", sagte Aufsichtsrat Dieter Scheitor der Zeitung.

Auf der Hauptversammlung stellte der Konzern das neue Vergütungssystem für Spitzenmanager erstmals in seiner Geschichte zur Abstimmung. Das Votum der Hauptversammlung ist zwar nicht bindend, besitzt aber nach Einschätzung von Aktionärsschützern große Symbolwirkung. 

Aktionärsvertreter forderten in München weitere Anpassungen an dem Modell. Es entspreche nicht allen gesetzlichen Anforderungen, sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. So seien die Vergütungen durch Aktien nicht langfristig genug ausgerichtet. Zudem sei das Salär von Konzernchef Peter Löscher im Vergleich zu seinen Vorstandskollegen und auch zu Wettbewerbern sehr hoch. Löscher ist mit rund 10 Millionen Euro einer der bestbezahlten Unternehmenschefs.

Auch der milliardenschwere Schmiergeld-Skandal kam während des Aktionärstreffens erneut zur Sprache. Die frühere Führungsspitze um den einstigen Konzernchef Heinrich von Pierer hatte sich nach langen Verhandlungen zu Zahlungen in Millionenhöhe bereit erklärt. "Das ist aus meiner Sicht lächerlich gering", zitierte das Handelsblatt Harald Petersen von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Auch Bergoldt bezeichnete die Beträge als "Peanuts", wollte den Vergleichen jedoch zu stimmen, da es gut sei, dass es überhaupt dazu gekommen sei. "Dies alles ist eine Revolution für den Börsenplatz Deutschland."

Mit den beiden früheren Vorstandsmitglieder Heinz-Joachim Neubürger und Thomas Ganswindt konnte sich Siemens dagegen bislang nicht einigen. Erst am Montag verklagte der Konzern die beiden Ex-Manager auf insgesamt 20 Millionen Euro Schadenersatz.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, Reuters

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