Wirtschaft : Krisenstab soll Cargolifter retten

fo

Die Deutsche Post, deren Mehrheitsaktionär der Bund ist, hat Gespräche mit dem angeschlagenen Luftschiffbauer Cargolifter geführt. Dabei ging es nach Informationen des Tagesspiegel aus unternehmensnahen Kreisen sowohl um einen Werbevertrag in Millionenhöhe als auch um die Übernahme eines Aktienpakets. Post-Chef Zumwinkel soll das geplante Projekt jedoch vor einigen Wochen gestoppt haben.

Der Einstieg des Bonner Logistikkonzerns wäre eines der Signale gewesen, auf die Firmenchef Carl-Heinrich von Gablenz seit langem verzweifelt wartet. Dem Technologieunternehmen mit 500 Mitarbeitern, dass seit zwei Jahren an der Börse ist, droht das Geld auszugehen, so dass die Entwicklung von Luftschiffen zum Transport ungewöhnlich schwerer Lasten nicht weitergeführt werden kann. Das Unternehmen steht Berichten zufolge vor der Insolvenz. Cargolifter hat zumindest bestätigt, dass "die Lage sehr kritisch" ist. Die politischen Reaktionen aus Potsdam und Berlin in den letzten Tagen haben gezeigt, dass Cargolifter fast keine Chance mehr auf dringend erbetene staatliche Hilfe hat. Der Vorstand will am Freitag auf einer Pressekonferenz zur Situation des Unternehmens Stellung nehmen.

Cargolifter beantragte beim Land Brandenburg ein Darlehen von 50 Millionen Euro, um zumindest die akuten Liquiditätsprobleme zu lindern. In Potsdam wird auf fehlende Haushaltsmittel und die ausstehende Entscheidung des Bundes verwiesen. Über eine beim Bundeswirtschaftsministerium im Frühjahr beantragte Technologieförderung von 300 Millionen Euro wird erst in den nächsten Monaten entschieden. Gezahlt werden könnte frühestens 2003. Diese Gelder kämen viel zu spät, denn Cargolifter schafft es nicht mehr, private Investoren zu locken. 150 Millionen Euro sind seit Firmengründung 1996 akquiriert worden. Die Platzierung einer Anleihe Anfang Mai brachte nur 3,8 Millionen Euro. Die geplante Ausgabe neuer Aktien ist angesichts des schwierigen Börsenumfelds derzeit sinnlos.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Peter Danckert ärgert sich vor allem darüber, "dass die Verantwortung für ein Scheitern von Cargolifter mit der stillen Post von Hand zu Hand weiter geschoben wird". Danckert fordert daher die Einsetzung einer interministeriellen Arbeitsgruppe unter Leitung des Kanzleramtes. Von Gablenz selbst hat Bundeskanzler Gerhard Schröder und Brandenburgs Regierungschef Manfred Stolpe in einem Brandbrief darauf aufmerksam gemacht, dass die Lage für sein Unternehmen prekär ist. Die Arbeitsgruppe muss laut Danckert schnell eine Lösung zur Fortführung des Unternehmens finden.

Dem Tagesspiegel sagte er, wenn Bund oder Land schon nicht kurzfristig Fördertöpfe aktivieren könnten, müssten andere, kreative Lösungen her. "Das ist doch gar nicht so kompliziert." Die Idee beispielsweise, dass ein Konzern wie die Post bei Cargolifter einsteigen und damit die drohende Pleite abwenden könnte, hält er für ausgezeichnet. Cargolifter, räumt Danckert ein, passe nicht "in normale Förderschubladen". An diesem Fall werde sich entscheiden, "ob die Bundesrepublik im internationalen Wettbewerb solche High-Tech-Innovationen realisieren kann".

Am 2. Mai hatte Cargolifter die Unterzeichnung einer Absichtserklärung mit dem US-Luft-und Raumfahrtkonzern Boeing bekannt gegeben. Ziel sei es, die Nutzung der Technologie unter anderem in der Sicherheitsüberwachung des US-Territoriums zu prüfen. Offen blieb, ob auch eine Beteiligung des US-Konzern gepürft wird.

Heiner Wilkens, Senior Vice President Europa von Boeing, sagte dem Tagesspiegel, dass man noch im Vorstadium sei und prüfe, "ob die Leichter-als-Luft-Technologie überhaupt von Interesse für uns ist". Boeing sei in ganz Europa auf der Suche nach interessanten Technologien. Eine Beteiligung an Cargolifter sei derzeit kein Thema. Selbst Boeings Interesse hatte keine anhaltende Wirkung auf die Cargolifter-Aktie. Der Börsenkurs bleibt im Sinkflug. Am Donnerstag notierte das Papier, dass in der Spitze 23,90 Euro erreichte, gerade noch bei 1,15 Euro.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben