Krisentreffen : US-Autobauer erläutern Sanierungspläne

Mit einschneidenden Sanierungsprogrammen im Gepäck versuchen die krisengeschüttelten US-Autobauer abermals, den US-Kongress von neuen Milliardenhilfen zu überzeugen. Gleichzeitig räumen die Chefs der Konzerne General Motors, Ford und Chrysler Fehler ein.

Bailout Foto: AFP
Richard Wagoner (links), Chef von General Motors, kommt demonstrativ mit einem Hybrid-Auto zur Anhörung. -Foto: AFP

WashingtonDie Chefs der Opel-Mutter General Motors sowie von Ford und Chrysler begannen am Donnerstag, vor dem Bankenausschuss des Senats ihre Pläne für eine Neuausrichtung der ums Überleben kämpfenden Firmen zu erläutern. GM-Chef Rick Wagoner räumte ein, sein Unternehmen habe "Fehler" begangen. General Motors habe nicht rasch genug in spritsparende Modelle investiert. Als Schlüsselelemente des Sanierungsplans nannte Wagoner unter anderem verstärkte Investitionen in umweltfreundliche Modelle wie den Chevy Volt, eine Verringerung von Marken, Modellen und Verkaufsfilialen sowie mit Blick auf die Arbeitskosten "volle Wettbewerbsfähigkeit" mit ausländischen Konkurrenten bis 2012. Dieser Plan "positioniert GM für den langfristigen Erfolg", sagte er. Das Darlehen solle bis zum Jahr 2012 zurückgezahlt werden.

Chrysler-Chef Robert Nardelli kündigte ebenfalls umweltfreundliche Modelle und Kosteneinsparungen an. "Chryslers langfristiger Produktplan ist robust, realistisch und grün", sagte er. Werde der Staatskredit gewährt, solle er ebenfalls von 2012 an zurückgezahlt werden. Der Vorstandsvorsitzende von Ford, Alan Mulally, will über die nächsten sieben Jahre 14 Milliarden Dollar investieren, um den Benzinverbrauch der Ford-Flotte zu senken. Zudem sei die Schließung von mehreren Fabriken und andere Kostensenkungen geplant "Wir wollen schlank und profitabel werden", betonte Mulally.

"Wachsende Besorgnis" bei führenden Demokraten

Zuvor war bekanntgeworden, dass die Krise schlimmer ist als bislang bekannt. Statt wie bislang 25 Milliarden Dollar fordern die drei Unternehmen nun 34 Milliarden Dollar an neuen Krediten. Ungeachtet der am Dienstag vorgelegten Sanierungsprogramme gilt es allerdings weiter als fraglich, ob der Kongress die Milliardenhilfe schnell gewährt. In der Führung der Demokraten gebe es "wachsende Besorgnis", dass sie keine ausreichende Mehrheiten für die Verabschiedung eines Rettungspakets bereits in der nächsten Woche finden, berichtete die "New York Times" am Donnerstag.

Der Vorsitzende des Bankenausschusses, der Demokrat Chris Dodd, sprach sich für staatliche Hilfen für die Autobauer aus. Untätigkeit bedeute, "russisches Roulette" mit der US-Wirtschaft zu spielen. Die Arbeitnehmer zeigten sich unterdessen zu Zugeständnissen bereit. Die Vereinbarungen mit den Unternehmen sollten überprüft und geändert werden, sagte der Chef der Autobauer-Gewerkschaft UAW, Ron Gettelfinger, am Mittwoch. Dazu zähle, Arbeitsplatzgarantien zu lockern und Zahlungen an einen Gesundheitsfonds zu verschieben.

Symbolisches Jahresgehalt geplant

Die Vorstandsvorsitzenden wollen zudem für ein symbolisches Jahresgehalt von einem Dollar arbeiten. Als weitere Geste fuhren Ford-Chef Alan Mulally, GM-Vorstandsvorsitzender Rick Wagoner und Chrysler-Chef Robert Nardelli die mehr als 800 Kilometer von Detroit nach Washington in Hybrid-Autos. Bei der ersten Kongressanhörung vor zwei Wochen hatte es scharfe Kritik gegeben, weil die drei trotz der dramatischen Lage ihrer Konzerne Firmenjets benutzt hatten.

Politische Streitigkeiten über die Finanzierung verhinderten bislang eine schnelle Lösung: Die Demokraten möchten die für eine Stabilisierung der Finanzbranche vorgesehenen 700 Milliarden Dollar anzapfen. Die Republikaner wollen dagegen auf ein bereits bewilligtes Kreditpaket von 25 Milliarden Dollar zurückgreifen, das eigentlich für die Entwicklung sparsamerer Autos gedacht ist.

Chrysler macht Druck

Der größte US-Autobauer GM ersucht den US-Kongress insgesamt um neue Kredite von bis zu 18 Milliarden Dollar bis Ende 2009, vier Milliarden davon will die Opel-Mutter noch im Dezember haben. Der Konkurrent Ford braucht bis zu neun Milliarden, hofft aber, auf das Geld nicht unbedingt zugreifen zu müssen. Chrysler will die angefragten sieben Milliarden Dollar bis Jahresende.

Bei einer ersten Anhörung hatten sie noch 25 Milliarden an Krediten gefordert und waren im Kongress auf große Skepsis gestoßen. Führende Politiker hatten als Vorbedingung detaillierte Sanierungspläne verlangt. (feh/dpa)

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