Kritik am Forschungsinstitut : Ortstermin beim DIW in Washington

Das DIW ist wegen seiner Dependance in Washington in die Kritik geraten – ein Ortstermin.

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Washington - Wer seit Bekanntwerden der Kritik des Landesrechnungshofs versuchte, sich an Ort und Stelle einen Überblick über die DIW-Außenstelle in Washington und deren Arbeit zu verschaffen, kam nicht weit. Telefonische Bitten um einen Gesprächstermin mit der Leiterin Amelie Constant wies eine Mitarbeiterin den Dezember hindurch freundlich ab: Sie sei verreist, und man könne leider auch fürs neue Jahr nichts vereinbaren, da unbekannt sei, wann sie wieder komme – es klang so, als sei sie bei einer Expedition in unbekannte Wildnis verschollen. Auch die Empfehlung, eine Mail an Amelie Constant zu schreiben, half nicht. Lange kam keine Antwort.

Wer sich ein Herz nahm und einfach mal unangemeldet an der Institutsadresse in der siebten Etage eines zwölfstöckigen Bürogebäudes der Innenstadt läutete, dem konnte es freilich passieren, dass die bekannte Stimme vom Telefon öffnete, die Visitenkarte des Besuchers entgegennahm und bat, einen Moment zu warten – draußen auf dem Korridor. Anhand der Mitarbeiterprofile samt Foto auf der Internetseite des DIW-DC war die Person unschwer als Anastasia Xideous zu identifizieren, offiziell trägt sie den Titel Projektkoordinatorin. Wenige Minuten später öffnete sich die Tür zu Suite 716 erneut: Frau Constant sei leider in einer wichtigen Besprechung, werde aber bestimmt zurückrufen.

Der Anruf blieb bis heute aus, aber an Silvester kam dann doch noch ein Lebenszeichen per Mail: Bekanntermaßen laufe „derzeit ein routinemäßiges Überprüfungsverfahren des Landesrechnungshofes Berlin betreffend das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung“, schrieb Frau Constant dem Tagesspiegel. „Dort ist auch DIW DC angesprochen. Wir sind strikt gehalten, während des Prüfverfahrens keinerlei öffentliche Stellungnahmen abzugeben.“ Ein Besuch des Instituts und ein Gespräch über dessen Arbeit sei deswegen erst nach Ende des Verfahrens möglich.

Die Adresse, an der sich das DIW-DC eingemietet hat, ist keine ungewöhnliche Wahl. 1800 K Street NW, Suite 716. In der Gegend haben viele ähnliche Institute, Lobbyorganisationen, Anwaltskanzleien und Firmen ihren Sitz, die das Regierungshandeln in den unweit gelegenen Ministerien beeinflussen oder auch nur beobachten und analysieren wollen. Hauptnutzer des Gebäudes ist das Center for Strategic and International Studies (CSIS), einer der besten Thinktanks in Washington, wenn es um Kontakte nach Europa und Wissen über die EU geht. Das CSIS hatte dem DIW schon bei der Einweihungsfeier 2007 des DC-Büros organisatorische Hilfe geleistet. Vermutlich könnte man etwas weiter entfernt vom Zentrum billiger mieten, aber der Ort und die Räumlichkeiten sind auch nichts Extravagantes. Nach Lage und Zuschnitt der Suite im Gebäude kann es sich um maximal drei bis vier nicht sehr große Räume handeln.

In Wirtschaftskreisen in Washington hat sich das Büro des DIW noch keine besondere Reputation erworben. Zwar möchte sich niemand namentlich zitieren lassen. Die Äußerungen gehen aber alle in die selbe Richtung. Amelie Constant sei mehr durch ihre Freundlichkeit und ihre elegante Erscheinung aufgefallen als durch hochrangige Konferenzen oder die Präsentation herausragender Gastredner. Freilich sei es in Washington, wo so viele Institutionen um Aufmerksamkeit ringen, besonders schwer, Beachtung zu finden. Niemand erhebt hier den Vorwurf, die DIW-Filiale sei ein Beispiel für Geldverschwendung.

Allerdings ist die Internetseite des Instituts offenbar schon seit Monaten nicht mehr sorgfältig gepflegt worden. Unter den nächsten Terminen werden auch um den Jahreswechsel noch Veranstaltungen von Anfang Oktober aufgelistet.

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