• Kritik an Subventionen für Zeitarbeiter wächst Gewerkschaften und Arbeitgeber gegen Personal-Service-Agenturen

Wirtschaft : Kritik an Subventionen für Zeitarbeiter wächst Gewerkschaften und Arbeitgeber gegen Personal-Service-Agenturen

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Düsseldorf (dc/HB). Gegen die neuen Personalserviceagenturen (PSA) der Arbeitsämter formiert sich immer härterer Widerstand: Führende Vertreter der Zeitarbeitsbranche wollen am 12. August mit der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) eine Strategie ausarbeiten, um die neue, öffentlich geförderte Konkurrenz für kommerzielle Zeitarbeitsfirmen in die Schranken zu weisen.

Die CSU/CSU macht sich seit Juni für die Abschaffung stark. Ihr Fraktionsmitglied Reinhard Göhner will die Initiative nun in seiner Rolle als BDAHauptgeschäftsführer vorantreiben und hat dazu führende Branchenvertreter nach Berlin geladen. Die Gewerkschaften sehen sich damit in ihrer Kritik an der Umsetzung des PSA-Konzepts bestätigt.

Verdi-Vorstandsmitglied Isolde Kunkel-Weber sieht „mit gewisser Genugtuung", dass nun auch die Arbeitgeber Nachbesserungsbedarf erkannt hätten, sagte sie dem Handelsblatt. Selbst sie zeigt mittlerweile Verständnis für Forderungen, die PSA wieder abzuschaffen. „Es ist eine Katastrophe, dass sich hier offenbar ein Selbstbedienungsmarkt zur Ausnutzung von Fördergeldern entwickelt – und es gibt kaum Möglichkeiten, diese Entwicklung zu kontrollieren", sagte Kunkel-Weber. Sie hatte in der Hartz- Kommission mitgearbeitet und sich von Beginn an dafür eingesetzt, die PSA einer strikten zentralen Kontrolle durch die Bundesanstalt für Arbeit (BA) zu unterwerfen – bisher ohne Erfolg in den BA-Gremien.

Der Vorwurf an die teils privaten, teils gemeinnützigen PSA-Betreiber: Sie nutzten das Honorar vom Arbeitsamt, um die Lohnkosten ihrer zuvor arbeitslosen Leiharbeiter herabzusubventionieren, statt diese zu qualifizieren. So entstehe mit Beitragsgeldern der Arbeitslosenversicherung ein Dumpingwettbewerb. Zeitarbeitsfirmen wissen von Bürokaufleuten, die Entleiherbetrieben zu Stundensätzen unter vier Euro überlassen werden. Ein PSA-Betreiber erhält je Leiharbeiter durchschnittlich 1000 Euro im Monat, zudem wird ein Erfolgshonorar gezahlt, wenn die Vermittlung in den festen Job gelingt.

Mitte Juli hatten die 181 Arbeitsämter laut BA 671 Agenturen für 31200 Arbeitslose unter Vertrag, Ende 2003 sollen es 50000 Plätze sein. Ein Fünftel davon ist derzeit besetzt. Die Zahl der Vermittlungserfolge lag zwei Monate nach dem Start der PSA noch unter 50. „Das ganze Konzept funktioniert so nicht", findet Jürgen Uhlemann, Vertreter des Branchenverbands der Zeitarbeitsfirmen BZA. Eine völlige Abschaffung der PSA wäre für ihn „ein logischer Schritt“.

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