• Kritik des Bundesaufsichtsamtes zurückgewiesen - Fusionen werden fortgesetzt: 800 Institute sollen 2005 übrig bleiben

Wirtschaft : Kritik des Bundesaufsichtsamtes zurückgewiesen - Fusionen werden fortgesetzt: 800 Institute sollen 2005 übrig bleiben

kvo

Die deutschen Volks- und Raiffeisenbanken haben im Jahr 1999 ihre Bilanzsumme um knapp drei Prozent auf insgesamt 1,05 Billionen Mark gesteigert. Damit verlief das Geschäftsjahr 1999 etwas schwächer als das Vorjahr, in dem die Bilanzsumme um fünf Prozent gestiegen war. Diese Zahlen gab der neue Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Christopher Pleister, am Montag in Berlin bekannt. Zusammen mit der DG Bank, den regionalen Zentralbanken, den genossenschaftlichen Hypothekenbanken und der Bausparkasse Schwäbisch Hall betrug die addierte Bilanzsumme der Bankengruppe zum Jahresende 1999 insgesamt rund 1,7 Billionen Mark.

Pleister äußerte sich zufrieden über das vergangene Geschäftsjahr. "Wir haben uns gut behauptet und bleiben auf Wachstumskurs", sagte er in Berlin. Die Kredite seien im vergangenen Jahr um drei Prozent auf mehr als 632 Milliarden Mark gestiegen, die Einlagen um rund ein Prozent auf rund 809 Milliarden Mark. Mit einem Jahresüberschuss vor Steuern von 0,54 Prozent des durchschnittlichen Geschäftsvolumens konnten die Volks- und Raiffeisenbanken 1999 ebenfalls nur knapp an das Ergebnis des Vorjahres (0,57 Prozent) anknüpfen. Für das laufende Jahr rechnet der BVR-Präsident mit einem in etwa gleichbleibenden Ergebnis. Zu befürchten sei allerdings, dass der Kostendruck und die sinkenden Zinsmargen das Geschäft weiter erschweren.

Die vor wenigen Tagen geäußerte Kritik des Bundesaufsichtsamtes für das Kreditwesen (BAK) an dem dezentralen Prinzip der Genossenschaftsbanken wies Pleister entschieden zurück. "Die Grundrentabilität ist in einem Ausmaß gegeben, dass wir uns keine Sorgen um unsere Zukunftsfähigkeit machen müssen." Außerdem, so der BVR-Präsident, wäre es fair gewesen, vor der öffentlichen Kritik das Gespräch zu suchen. Gerade für die mittelständische Wirtschaft blieben die Volks- und Raiffeisenbanken immer noch der wichtigste Ansprechpartner, sagte Pleister. Er verwies darauf, dass es im vergangenen Jahr 370 000 neue Mitglieder im BVR gegeben habe. Insgesamt hat der Verband damit 14,9 Millionen Mitglieder. "Das ist eine stolze Zahl, wenn man bedenkt, dass Deutschland gerade mal fünf Millionen Aktionäre hat." Das Sicherungssystem des Verbandes für die Einlagen solle weiter verbessert werden.

Pleister kündigte an, den Fusionsprozess innerhalb der Bankengruppe mit aller Kraft fortzusetzen. Bereits im vergangenen Jahr sei die Zahl der selbstständigen Kreditgenossenschaften um 214 auf 2034 Institute zurückgegangen. Die durchschnittliche Bilanzsumme habe sich dadurch um 14 Prozent auf 516 Millionen Mark pro Genossenschaft erhöht. Die Anzahl der Volks- und Raiffeisenbanken soll in einem Jahr bei etwa 1800 liegen. Der gesamte Fusionsprozess soll etwa in fünf Jahren abgeschlossen sein. Es wird erwartet, dass dann noch rund 800 Banken übrig sind.

Der Verbandspräsident kritisierte die Pläne der Regierungskoalititon zur Steuerreform. Die Pläne wiesen zwar in die richtige Richtung, vernachlässigten aber den Mittelstand. Das gelte vor allem für die vorgesehene Übergangsregelung zur Abschaffung des Anrechnungsverfahrens, die durch ein so genanntes Halbeinkünfteverfahren ersetzt werden soll. Die Umsetzung des vorliegenden Regierungsentwurfs würde zu einer steuerlichen Doppelbelastung der betroffenen Unternehmen führen und die steuerliche Gesamtbelastung auf über 66 Prozent heben.

Unzufrieden ist der BVR-Präsident Pleister mit dem Baseler Entwurf zur Bankenaufsicht, der von den europäischen Banken entwickelt worden ist. Es sei nicht akzeptabel, dass - wie im Entwurf vorgesehen - die Kreditnehmer nicht mehr von der Bank, sondern vor allem von externen Ratinginstituten geprüft werden sollen.

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