Kritik von Vermietern : Politik bremst Wohnungsneubau aus

Gerade in Ballungsgebieten wird neuer Wohnraum gebraucht. GdW-Firmen wollen deshalb 16 000 neue Wohnungen in diesem Jahr bauen – ohne Investitionshemmnisse könnten es deutlich mehr sein, sagt der Verband.

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Weniger für wenig. Die Zahl der Sozialwohnungen schrumpft. Foto: dpa
Weniger für wenig. Die Zahl der Sozialwohnungen schrumpft. Foto: dpaFoto: dpa

Vor „drastischen Eingriffen in den Wohnungsmarkt“ hat der Präsident des Gesamtverbandes der Wohnungswirtschaft (GdW) Axel Gedaschko gewarnt – und damit auch Wahlkampf-Forderungen von SPD und CDU für eine Kappung der Neuvertragsmieten eine Abfuhr erteilt. Solche „unverhältnismäßigen Regulierungsmaßnahmen“ seien kein Rezept gegen die Wohnungsnot, sondern bremsten den Neubau aus, der „besonders in Ballungsgebieten“ wie Berlin wichtig sei.

Der GdW vertritt rund 3000 Firmen, die etwa ein Drittel aller Mietwohnungen besitzen. Sie bauten im vergangenen Jahr 12 110 Wohnungen, fast 1200 weniger als 2011 – gerechnet hatte der GdW mit einem Plus von 25 Prozent. Auch die Gesamtinvestitionen von Neubau, Modernisierungen und Instandhaltungen gingen geringfügig zurück auf knapp 9,6 Milliarden Euro. Schuld daran sei die „generelle Unsicherheit“ in der Bau- und Förderpolitik, die „stetig nach oben geschraubten energetischen Anforderungen“ und lange Genehmigungsverfahren. Auch die Berliner Mitglieder bauten nur die Hälfte der ursprünglich geplanten 600 Wohnungen im Jahr 2012.

„Wir nehmen die Anregungen des GdW ernst“, sagte ein Sprecher des Bundesbauministeriums. Gemeinsames Ziel sei es, bestehende Hindernisse für den Neubau zu beseitigen und gute Rahmenbedingungen für den Wohnungsmarkt zu schaffen. Die Gespräche mit dem GdW über die strengen energetischen Anforderungen seien noch im Gange.

Angespannter Wohnungsmarkt in Ballungsgebieten

Alarmierend sei diese Entwicklung laut GdW deshalb, weil bundesweit rund 500 000 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern fehlten. In diesem Jahr rechnet der GdW mit dem Bau von nur 213 000 Wohnungen. Vor allem in den Ballungsgebieten sei der Markt angespannt, weil der Leerstand äußerst gering sei: In Hamburg betrage er 0,8 Prozent, in Hessen 1,7 Prozent, in Bayern zwei Prozent und in Berlin 2,3 Prozent. Unter dem Mangel litten vor allem Bedürftige. Und die Lage spitze sich zu, denn „der Geschosswohnungsbau liegt seit dem Jahr 2000 dauerhaft unter Bedarf“, so GdW-Hauptgeschäftsführerin Ingeborg Esser. Hinzu komme, dass die Zahl der Sozialwohnungen schrumpft: um eine Million seit dem Jahr 2002 auf nun 1,6 Millionen. „Erhebliche soziale Probleme in den Quartieren“ seien deshalb zu befürchten.

Hohe Baukosten bremsen Neubauten

Dass die steigenden Mieten schuld an der allgemeinen Teuerung seien, wies GdW-Präsident Gedaschko zurück. Bei den Mitgliedsunternehmen seien die Mieten im vergangen Jahr im Schnitt um 1,6 Prozent auf 5,04 Euro je Quadratmeter und Monat gestiegen, dies liege unterhalb der allgemeinen Teuerung von zwei Prozent. Die Mieten der Berliner Mitglieder stiegen mit 2,4 Prozent auf 5,15 Euro je Quadratmeter im Durchschnitt aber schneller als die Teuerung. Verglichen mit anderen Preisen sei der Anstieg dennoch moderat, auch im langjährigen Vergleich: Laut GdW stiegen die Nettokaltmieten seit dem Jahr 2000 um 8,5 Prozent, für Obst und Gemüse müssten Haushalte dagegen ein Fünftel mehr bezahlen als im Jahr 2000, für Fahrkarten der Bahn oder der Verkehrsbetriebe 25 Prozent mehr und für Flugtickets sogar 45 Prozent mehr.

Weit überdurchschnittlich stiegen auch die Preise für Baumaterialien in diesem Zeitraum: um 28,6 Prozent. „Wir fordern deshalb eine Baukostensenkungskommission“, sagte Gedaschko. In Berlin hat Bausenator Michael Müller (SPD) bereits einen „runden Tisch“ zu dem Thema einberufen. Die hohen Baukosten bremsten den Neubau am stärksten, sagte der GdW, der außerdem hohe Grunderwerbsteuern – Berlin belegt mit fünf Prozent einen Spitzenplatz –, teures Bauland, die Energieeinsparverordnung sowie die langen Bearbeitungszeiten für Baugenehmigungen als Investitionshemmnisse nennt.

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