Wirtschaft : Krupp-Aufsichtsrat gibtgrünes Licht für Stahlfusion

Cromme sieht Krupp auf gutem Weg / Hauptversammlung

ESSEN (dpa/ddpADN).Der Aufsichtsrat des Krupp-Konzerns hat am Freitag in Essen endgültig grünes Licht für die geplante Stahlfusion mit Thyssen gegeben.Das teilte der Vorstandsvorsitzende der Fried.Krupp AG Hoesch-Krupp, Essen, Gerhard Cromme, bei der Hauptversammlung in Essen mit.Bereits am Vortag hatten die Aufsichtsräte der Stahltochter Krupp Hoesch Stahl AG dem Vorhaben zugestimmt, nachdem beide Gremien im Frühjahr zunächst ihre Zustimmung zur Fortführung der Verhandlungen gegeben hatten.Der Krupp-Chef äußerte sich vor den Aktionären optimistisch zum Fortgang der Gespräche mit Thyssen zur Bildung der gemeinsamen Stahlgesellschaft.Ziel sei es nun, bis zum 30.September die Voraussetzungen für die Gründung der gemeinsamen Gesellschaft rückwirkend zum 1.April zu schaffen, sagte Cromme.Der Vorstandsvorsitzende zeigte sich zuversichtlich, die für die Fusion notwendige Genehmigung der europäischen Kartellbehörden rechtzeitig zu erhalten.Positive Signale lägen bereits vor.An der neuen Stahlgesellschaft ist Krupp mit 40 Prozent und Thyssen mit 60 Prozent beteiligt.
Bis zum Jahr 2001 sollen in den Stahlbereichen beider Unternehmen insgesamt 6300 Arbeitsplätze gestrichen werden.Davon sei der Abbau von 4600 Arbeitsplätzen bereits vor den Fusionsgesprächen beschlossen worden, so daß der fusionsbedingte Verlust bei weniger als 2000 Arbeitsplätzen liege, sagte Cromme.In einer kontroversen Diskussion warfen Aktionärssprecher dem Unternehmen im Zusammenhang mit der gescheiterten Übernahme des Thyssen-Konzerns "eine in Deutschland bislang beispiellose soziale Kälte" vor.
Nach der Zusammenführung der Aktivitäten im Bereich Qualitätsstahl kündigte der Krupp-Chef die Gründung einer eigenständigen Sparte Nirosta an.Sie soll mit rund 10 600 Mitarbeitern einen Umsatz von rund sechs Mrd.DM erzielen.Im zurückliegenden Jahr hatte der Krupp-Konzern bei einem Umsatz von 24,4 Mrd.DM einen Gewinn von 208 Mill.DM erwirtschaftet.Das operative Ergebnis lag bei 336 Mill.DM nach 644 Mill.DM im Vorjahr.Besonder schlecht schnitt der Bereich Qualitätsstahl und Profile mit einem Verlust von 208 Mill.DM ab.
Cromme äußerte sich optimistisch zu weiteren Entwicklung des Konzerns in diesem Jahr.Für die erste Jahreshälfte rechne das Unternehmen bei Auftragseingang und Umsatz mit einem Plus von fünf bis sieben Prozent."Im Geschäftsjahr 1997 wird der Konzern operativ erfolgreicher sein, als im Vorjahr", kündigte der Krupp-Chef an.Für 1996 schüttet Krupp erneut eine Dividende von fünf DM je 50-DM-Aktie aus.
Vor Beginn der Hauptversammlung hatten rund 100 Beschäftigte der Hoesch Federn GmbH aus Hohenlimburg für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze demonstriert.Die Belegschaft fürchtet durch die Verlagerung von Verwaltungsfunktionen den Abbau von rund 200 Arbeitsplätzen an ihrem Standort.

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