Wirtschaft : Krupp bietet 435 DM für eine Thyssen-Aktie

Übernahme soll erfolgreiche Globalisierung gewährleisten Essen/Düsseldorf (rtr/AFP/dpa/ro).Der Essener Stahlkonzern Krupp-Hoesch will den Konkurrenten Thyssen übernehmen und bietet den Aktionären eine Barabfindung von 435 DM je Aktie.Danach könnte die Übernahme rechnerisch bis zu 14 Mrd.DM kosten.Wie Krupp am Dienstag in einer Pflichtmitteilung bekanntgab, strebt er die Mehrheit bei Thyssen an.Anschließend sollen die Unternehmen zu einem schlagkräftigen Konzern fusionieren.Krupp und Thyssen würden sich in 70 Prozent ihrer Aktivitäten ergänzen, eine Zusammenführung schaffe "die Voraussetzung für eine erfolgreiche Globalisierung in vielen Feldern", hieß es in der Mitteilung.Der Übernahmeversuch werde von den Investmentbanken Deutsche Morgan Grenfell, Dresdner Kleinwort Benson und Goldman Sachs begleitet; die Finanzierung werde von den gleichen Instituten gesichert. Thyssen-Chef Dieter Vogel kündigte an, sein Unternehmen werden sich gegen die geplante feindliche Übernahme mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zur Wehr setzen.Auch die Belegschaften beider Unternehmen, die bei einer Zusammenlegung den Verlust Tausender Arbeitsplätze fürchten, reagierten mit Protest.Die Duisburger IG Metall nannte Krupp-Chef Cromme den "Arbeitsplatzvernichter Nummer eins" im Ruhrgebiet.Vogel sprach von "Wildwestmethoden" der Essener Konkurrenz.Es sei zu verstehen, daß Krupp eine Lösung für seine Probleme suche, aber gleichzeitig unverständlich, daß ein "finanzstarkes Unternehmen wie Thyssen dafür herhalten und zerschlagen werden soll".Es gehe um die Existenz eines Konzerns, hinter dem mehr als 100 000 Mitarbeiter und deren Familien stünden, sagte Vogel und kündigte an, Thyssen werde "alle denkbaren Maßnahmen ergreifen", um eine mögliche Übernahme durch "ein finanzschwaches Unternehmen wie Krupp" zu verhindern.Bislang habe es keine Gespräche mit Krupp-Chef Cromme gegeben und er sehe "auch keinen Anlaß dazu", sagte Vogel. Auch die Belegschaft des Thyssen-Konzerns will sich "mit aller Macht" gegen die Übernahme wehren.Konzernbetriebsrat Georg Bongen appellierte in Essen an die "Traditionsaktionäre" von Thyssen, sich nicht von kurzfristigen Profitinteressen leiten zu lassen.Bongen kündigte gemeinsame Aktionen mit den Belegschaften von Krupp-Hoesch an.Protestaktionen der Belegschaften könnten sich auch gegen die beteiligten Banken richten.Schon bei der Übernahme von Hoesch durch Krupp 1992 waren zahlreiche Arbeitsplätze vernichtet worden.Dagegen heißt es in der Erklärung von Krupp, Synergien seien nicht gleichbedeutend mit dem Abbau von Arbeitsplätzen.Bei der Übernahme von Hoesch habe "Krupp bereits gezeigt, wie zwei Unternehmen unter Wahrung der Interessen aller Beteiligten erfolgreich zusammengeführt werden können".Weiter heißt es, "durch die Schaffung eine international wettbewerbsfähigen Konzerns werden langfristig Arbeitsplätze am Standort Deutschland und insbesondere im Ruhrgebiet gesichert". Für Rolf E.Breuer, designierter Vorstandssprecher der Deutschen Bank, ist der geplante Mehrheitseinstieg von Thyssen durch Krupp bislang noch kein "unfreundlicher" Übernahmeversuch.Erst wenn Thyssen-Vorstand und -Aufsichtsrat den Aktionären von der Annahme der Offerte abrate und Krupp trotzdem auf der Übernahme bestehe, könne davon die Rede sein.Die Rolle der Deutschen Bank in diesem Fall ist nach Ansicht von Breuer klar eingegrenzt."Wir sind schlicht Berater von Krupp in Kapitalmarktfragen." Breuer ließ offen, ob die Deutsche Bank die Übernahme auch dann absichert, wenn die Aktionäre die Offerte ablehnen.

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