Kürzungen : Air Berlin muss mehr Maschinen am Boden lassen

Dass der Winterflugplan bei Air Berlin magerer ausfällt, war bekannt. Doch angesichts des hohen Ölpreises reichen die Einsparungen nicht aus. Zum kommenden Sommer müssen die Kunden auf noch mehr Flüge verzichten. Konzernchef Hunold hat sich verzettelt, meinen Experten.

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Konzernchef Joachim Hunold (r.). -Foto: dpa

Berlin Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin plant weitere Schritte zur Kostensenkung. Auch im Sommerflugplan 2009 müssen Kunden mit zusätzlichen Streichungen im Streckennetz rechnen, wie ein Unternehmenssprecher dem Magazin "Focus" sagte. Das in der vergangenen Woche vorgestellte Paket sei "nur ein erster Schritt".

Auch die geplante neue Business Class für Geschäftsreisende steht demnach vor dem Aus. Allerdings ist eine endgültige Entscheidung wohl noch nicht gefallen. "Es wird noch geprüft", sagte der Sprecher. Am Mittwoch hatte die Billigfluglinie angekündigt, mit Beginn des Winterflugplans 14 der 134 Maschinen am Boden zu lassen. Ab November werden damit Strecken ausgedünnt oder ganz eingestellt. So fallen etwa die gerade erst aufgenommenen China-Verbindungen vom Düsseldorfer Flughafen weg.

Ursache für die Kürzungen sind nach Unternehmensangaben die stark gestiegenen Treibstoffkosten. Durch den hohen Ölpreis hat sich auch Flugbenzin stark verteuert. Aus demselben Grund streichen auch andere deutsche und internationale Fluglinien Flüge und legen Maschinen vorübergehend still. Ein Barrel (159 Liter) leichtes US-Rohöl kostet derzeit an der New Yorker Warenterminbörse Nymex gut 135 Dollar.

"Unklar, wie lange Air Berlin das durchhält"

Der Luftfahrtexperte des Bankhauses Metzler, Jürgen Pieper, sieht nach dem drastischen Kursverfall der Air-Berlin-Aktie noch kein Ende der Talfahrt. Seit Anfang Juni ist der Aktienkurs in Frankfurt von knapp 7,50 Euro auf 5,30 Euro gesunken - vor einem Jahr lag er noch bei gut 17 Euro. Vorstandschef Joachim Hunold müsse jetzt "den Mut haben, sich von Luftschlössern zu verabschieden und den geplanten Erwerb von Condor zu stoppen", fordert Pieper in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Air Berlin war in den vergangenen Jahren durch den Kauf von DBA und LTU zur zweitgrößten deutschen Airline aufgestiegen. Nun will das Unternehmen die ehemalige Lufthansa-Tochter Condor übernehmen. Die Genehmigung der Kartellbehörden steht allerdings noch aus. Hunolds Geschäftsmodell der Expansion funktioniere nicht mehr, sagte Pieper. Die Erträge seien niedrig, die Schulden hoch. Andere Gesellschaften wie die Lufthansa seien rentabler. "Jedenfalls ist unklar, wie lange Air Berlin das durchhält", sagte der Luftfahrtexperte. (sf/dpa)

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