Wirtschaft : Kugelfischer: FAG gibt auf

msh

Berlin (msh). In der feindlichen Übernahmeschlacht um den Wälzlagerhersteller FAG Kugelfischer ist die Ina Holding als Sieger hervorgegangen. Nach intensiven Verhandlungen einigten sich die Vorstände der Unternehmen auf die Modalitäten der Übernahme. Die Ina Holding erhöhte ihr Angebot an die FAG-Aktionäre um einen auf zwölf Euro und sagte zu, die FAG als eigenständige Tochtergesellschaft zu erhalten. FAG-Chef Uwe Loos empfahl den Aktionären daraufhin, die Offerte der Ina anzunehmen.

Die Ina Holding hatte vor fünf Wochen den Anteilseignern von FAG ein Übernahmeangebot in Höhe von elf Euro pro Aktie gemacht. Der FAG-Vorstand lehnte das Angebot als zu niedrig ab und versuchte, die Übernahme abzuwehren. Der Versuch, den Aktionären ein attraktiveres Gegenangebot zu unterbreiten, scheiterte jedoch.

Damit ist die erste feindliche Übernahme eines börsennotierten Unternehmens durch eine in Familienbesitz befindliche Gesellschaft perfekt. Das Volumen der Transaktion beträgt rund 735 Millionen Euro. Es entsteht der drittgrößte Wälzlagerhersteller der Welt mit 6,5 Milliarden Mark Umsatz und weltweit 52 000 Mitarbeitern. Der Erfolg der Ina könnte andere finanzkräftige Unternehmen ermutigen, im derzeit schwachen Börsenumfeld unterbewertete Unternehmen zu kaufen. Als heißester Übernahmekandidat gilt der Heizungsbauer Buderus, den der Elektronikkonzern Bosch im Visier hat.

Nach dreitägigen Verhandlungen einigten sich Ina-Chef Jürgen Geißinger und der FAG-Vorstandsvorsitzende Uwe Loos am späten Sonntagabend auf die Einzelheiten der Übernahme. FAG Kugelfischer bleibe als eigenständige Tochtergesellschaft bestehen, teilten die Unternehmen mit. Auch die Marke "FAG" werde erhalten und der Vorstand der FAG bleibe im Amt. Über mögliche finanzielle Zuwendungen an den Vorstand der FAG wollten beide Seiten keine Auskunft geben. Die strategische Allianz der FAG mit der japanischen NTN Corporation solle fortgeführt werden.

NTN war in den vergangenen Wochen als "weißer Ritter" (siehe Lexikon, Seite 18) im Gespräch, der als Investor die Übernahme der FAG hätte verhindern können. Offenbar waren die Japaner zwar zum Einstieg bereit, wollten oder konnten das finanzielle Risiko der Transaktion aber nicht alleine tragen. Die Suche nach weiteren Finanzinvestoren scheiterte. "Bei der derzeit schlechten Börsenlage war das Risiko für einen Finanzinvestor einfach zu groß", sagt Michael Riedel, Analyst bei der Bankgesellschaft Berlin. Zudem sei das Interesse unabhängiger Investoren erlahmt, als klar war, dass die Ina bereits eine Sperrminorität von über 25 Prozent an der FAG hält. "Damit hätten sie jede Entscheidung blockieren können." Den Zusammenschluss der Unternehmen bewertet Riedel als positiv. Der gemeinsame Verkauf der Produkte und die Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung berge Einsparpotenzial. Auch die Marktposition des Gemeinschaftsunternehmens verbessere sich. Riedel: "Die Verhandlungsmacht gegenüber den Herstellern steigt. Insbesondere die Automobilkonzerne versuchen, die Preise bei ihren Zulieferern zu drücken."

Für die Aktionäre der FAG sei die Einigung ebenfalls eine "gute Lösung", meint Riedel. Neben der Bankgesellschaft empfehlen auch WestLB Panmure und die SEB Bank den Aktionären, das Angebot von zwölf Euro anzunehmen. Der Kurs der FAG-Aktie kletterte bis zum Nachmittag um rund acht Prozent auf knapp zwölf Euro. Vor der Ankündigung der Übernahmeofferte notierte das Papier bei rund sieben Euro. FAG könnte der Anfang einer Serie von Übernahmen sein. Viele mittelständische Unternehmen wie Buderus, Beru oder Linde sind an den Börsen derzeit stark unterbewertet. Bankgesellschafts-Analyst Riedel: "Das Börsenumfeld ist für Übernahmen derzeit ideal."

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