Wirtschaft : Kugelschreiber erlaubt, Luxus verboten Bund und Wirtschaft gehen gegen Korruption vor

Anna-Sophie Sieben
Komplizierte Regel: Einige Bundesbehörden verbieten es ihren Angestellten, elektronische Geräte anzunehmen. Dazu zählen auch USB-Sticks, die beliebte Werbegeschenke sind. Foto: dpa
Komplizierte Regel: Einige Bundesbehörden verbieten es ihren Angestellten, elektronische Geräte anzunehmen. Dazu zählen auch...Foto: picture-alliance/ gms

Berlin - Ein Geschäftsmann schenkt einem Richter ein Buch, ein Beamter wird mit seinem Ehepartner zu einer Veranstaltung eingeladen – ist das Korruption? Beamte, Soldaten, Angestellte der Bundesbank und alle anderen Beschäftigten des Bundes sollen Klarheit darüber bekommen, was erlaubt ist und wo die Grenze zur Illegalität überschritten wird. In einem Frage- und Antwortkatalog zum Thema „Annahme von Geschenken, Belohnungen und sonstigen Vorteilen“ hat das Bundesinnenministerium daher zusammengefasst, was Beschäftigte des Bundes dürfen und was nicht. Konzerne wie Siemens und Thyssen-Krupp waren an der Ausarbeitung beteiligt.

Die Richtlinien sind kompliziert. Im Rahmen einer Besprechung darf sich ein Beamter von einem Geschäftsmann durchaus zum Essen einladen lassen. Schwierig aber wird es, wenn „der Anschein von Exklusivität und Luxus erweckt wird“. Zum Beispiel bei einem Opernbesuch in Begleitung der Ehefrau. Problematisch sind auch Geschenke: Übersteigt der Wert 25 Euro, muss eine Genehmigung dafür eingeholt werden. Kleinigkeiten wie Kugelschreiber oder Schreibblöcke dürfen Bundesbeschäftigte akzeptieren. USB-Sticks dagegen werden als „elektronische Geräte“ klassifiziert, und die sind bei einigen Bundesbehörden generell verboten.

Auch Transparency International hat eine Schulungsbroschüre gegen Korruption ausgearbeitet. In diesem Fall aber für Geschäftsleute und international tätige Firmen. Bis 1999 war Bestechung im Ausland in Deutschland steuerlich absetzbar, erst 2003 wurde sie genauso unter Strafe gestellt wie Inlandsbestechung. „Diese Attitüde, dass Korruption einerseits erlaubt, andererseits aber verboten ist, hat die Wertvorstellungen der Menschen maßgeblich beeinflusst“, sagt Peter von Blomberg, stellvertretender Vorsitzender von Transparency. Die Broschüre beschreibt beispielsweise, wie ein Unternehmer sich wehren kann, wenn ein Zollbeamter ihm droht, die leicht verderblichen Waren im Container nur gegen eine großzügige Zuwendung freizugeben.

Man brauche einen langen Atem gegen die Korruption, sagt Angelika Pohlenz, Generalsekretär der Internationalen Handelskammer Deutschland, die an der Erstellung der Broschüre beteiligt war. „Dann muss man manchmal auch sechs Wochen auf einen Stempel warten, obwohl er normalerweise nach drei Tagen ausgegeben wird.“ Doch das Warten lohne sich. Einerseits schaffe Korruption immer neue Korruption. Andererseits schadeten sich die Firmen selbst. „Viele gleichen fehlende Innovationskraft und Konkurrenzfähigkeit durch Korruption aus, darunter leidet auf Dauer jedes Unternehmen“, sagt Blomberg.

Viele Unternehmen scheinen lernwillig. Eine aktuelle Studie von Pricewaterhouse-Coopers und der Universität Halle zeigt, dass immer mehr deutsche Unternehmen Korruption als Risiko verstehen. Zwei Drittel denken, dass Compliance einen Wettbewerbsvorteil darstelle. Den in Korruptionsfälle verwickelten Firmen macht vor allem der damit zusammenhängende Reputationsverlust zu schaffen. Genauso viele, nämlich 42 Prozent, gaben zudem an, dass ihre Geschäftsbeziehungen darunter litten. Anna-Sophie Sieben

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