Kulinarische Sommertrends : Aloha am Spreeufer

Exotische Früchte und ausgefallene Mixgetränke sind die Sommertrends 2008.

Katja Reimann

Bunt gemischt.

Gelb ist die Sommerfarbe – und sieht auch beim Eis gut aus. Früchte gehören dazu.

Ein Schluck, und schon wähnt man sich auf Hawaii, die Füße im weißen Sand, einen leckeren Fruchtcocktail in der Hand. So soll sie wirken, die neue Aloha Lemonade – jedenfalls wenn es nach ihren Erfindern geht, die angeblich begeisterte Surfer sind. Das Rezept fürs schnelle Sommergefühl besteht aus vielen Früchten. Und die stecken in diesem Jahr nicht nur in der Surfer-Brause, sondern vom Eis bis zur Grillwurst in fast allem.

Je exotischer die Früchte, desto besser – goldgelbe Marulas zum Beispiel. Die sehen aus wie Mirabellen und wachsen vor allem in Südafrika. Ihr Saft schwimmt auch in der Aloha Lemonade, die bei Warsteiner hergestellt wird. Aloha will an den Erfolg der inzwischen legendären Bionade anknüpfen und das Sommergetränk 2008 werden. Vorerst ginge das allerdings nur im nördlichen Teil Deutschlands: die Limo aus „natürlichen Inhaltsstoffen“ ist erst ein halbes Jahr alt und damit so neu, dass sie bislang nur in Hamburger und Berliner Kneipen verkauft wird, in drei Sorten: Mango-Lime, Grapefruit-Orange und Elderflower, auf Deutsch Holunderblüte.

In angesagten Bars wird seit kurzem auch „ViQua“ serviert – Vinum plus Aqua, eine leichte Weinschorle, zusammengesetzt aus „natürlichem Mineralwasser aus den spanischen Pyrenäen“ und Riesling. Das Getränk kommt aus München, von der jungen Firma Sturmfeder und Schütte. Vor sechs Wochen starteten die Unternehmer den deutschlandweiten Vertrieb. Serviert wird die Schorle mit Strohhalm.

„Der Trend in diesem Jahr geht weiter in Richtung Mixgetränke“, sagt Günther Guder vom Bundesverband des deutschen Getränkefachgroßhandels. Viele große Brauereien bieten schon länger sommerliche Mixturen an. Es gibt Bier in Kombination mit Ananas, Pfirsich und Orangengeschmack oder mit Apfel und Ingwer. Eine Neuheit, sagt Günther Guder, heißt Becks Ice. Das transparente Getränk ist eine Kreuzung aus Bier und Erfrischungsgetränk und schmeckt nach Limette und Minze. Vom Sommer erhofft sich Guder besseres Wetter und somit auch einen höheren Umsatz als 2007. Getränkeneuheiten können da nur helfen.

Bereits seit vergangenem Jahr sind unter den nichtalkoholischen Getränken auch die sogenannten Smoothies sehr erfolgreich. Patrick Wings, Sprecher des jungen Bonner Smoothie-Unternehmens True Fruits, kann dies bestätigen.

Eine halbe Million Saftflaschen produziert True Fruits pro Monat, im vergangenen Sommer waren es noch halb so viele. Das Unternehmen war eines der ersten, das die Smoothies, ein Trendgetränk aus den USA, 2006 in Deutschland einführte. Die schicken kleinen 250-Milliliter-Glasflaschen zum Durchschnittspreis von etwa 2,20 Euro enthalten „100 Prozent Frucht“ und „keine Zusatz- oder Konservierungsstoffe“.

In einer Flasche stecken zum Beispiel ein Viertel gemahlene Mango, 13 gepresste Maracujas, eine halbe pürierte Banane, eine halbe Orange und ein halber gepresster Apfel. In den vergangenen Jahren haben vermehrt auch andere Produzenten begonnen, Smoothies herzustellen. Inzwischen gibt es die dickflüssigen Säfte auch von Knorr, Bauer oder Schwartau im Einzelhandel und als Handelsmarken im Discounter.

Früchte sollen in diesem Jahr auch auf dem Grill landen. „Alles Saure oder Süßliche kann zum Beispiel mit Schweinefleisch kombiniert werden“, sagt Gero Jentzsch, Sprecher des Deutschen Fleischerverbandes.

Ein Favorit ist die fruchtige Bratwurst. Es gibt, je nach Herkunftsregion, Holunderbeeren- und Sauerkirsch-Bratwurst, Wurst mit Ananas oder mit gebratenen Äpfeln und Birnen. Auch Naturkräuter würden vermehrt in die Würste gemischt, sagt Jentzsch. Bärlauch ist dabei nach wie vor besonders beliebt. Eine weitere Neuerung sind hingegen exotische Gewürze wie Chili oder Ingwer.

Große Steaks auf dem Grill sind laut Jentzsch allerdings „out“. Generell werden die Portionen kleiner, die Tendenz geht auch beim Barbecue zum „Fingerfood“. Ein heißer Tipp für diesen Sommer ist da auch die sogenannte Grillfackel – um einen Holzspieß gewickelter Bauchspeck.

Auch die Eishersteller tendieren in diesem Jahr zu ausgefallenen Kombinationen und ungewöhnlichen Früchten. Gemüse hingegen scheidet inzwischen aus. Sellerie- und Tomateneis, vor wenigen Jahren aus Spanien in Deutschland eingeführt, hat sich nicht lange in den Eisdielen gehalten.

Beliebt sind vor allem Eissorten, die „leicht und gesund“ klingen, sagt Anna Lisa Carnio von der Union der italienischen Speiseeishersteller Uniteis. Rund acht Liter Eis werden in Deutschland pro Kopf und Jahr geschleckt; obwohl die Süßigkeit

wegen steigender Rohstoffpreise teurer wird. Von etwa fünf bis zehn Cent Preiserhöhung in diesem Jahr spricht Carnio. Durchschnittlich kostet eine Eiskugel zwischen 70 Cent und 1,20 Euro in größeren Städten.

Auch bei den großen Herstellern ist das Eis teurer. Nestlé Schöller habe bereits Anfang des Jahres die Preise leicht angehoben, sagt Sprecher Alexander Antonoff. Hier heißt die Frucht des fettreduzierten Mövenpick-Sommereises Mirabelle, der „Südseezauber“ des Konkurrenten Unilever-Langnese schmeckt nach Kokos und Ananas.

Besonders beliebt ist nach wie vor auch sommerlich-fruchtiges Eis am Stiel. Das sonnengelbe Langnese-Eis Capri zum Beispiel. Die Farbe Gelb soll übrigens auch der Modetrend des Sommers sein. Na also, passt doch.



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