Wirtschaft : Kultur für keinen

Eine

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von Rüdiger Schaper

Wahrscheinlich wird der Job gewaltig überschätzt. Da haben wir es schon: das Amt natürlich muss es heißen. Kultursenator in der Hauptstadt, das verlangt einen Menschen mit höheren Weihen; fantastische Bildung, bestrickende Rhetorik, großes politisches Kaliber mit besten Beziehungen auf Bundesebene! Wie bitte? Eine solche Persönlichkeit soll in Berlin nicht existieren und wenn doch, dann wäre der Kultursenator das Letzte, was sie sich antun würde? Steht es so schlimm – oder wird die Bedeutung des Berliner Kulturverwaltungschefs in Wahrheit unterschätzt?

In der kommenden Woche geht es bei den Koalitionsverhandlungen dann auch mal um die Kultur. Wobei es seit dem höchstrichterlichen Berlin-Bashing besser ist, wenn man sich ruhig verhält und nicht als Sparkandidat anbietet. Es gibt zur Zeit nicht einmal ernsthafte Spekulationen über den künftigen Zuschnitt des Wissenschafts- und Kulturressorts, geschweige denn Namen. Völlig offen auch, aus welcher Partei der neue Kulturcoach kommen könnte. Aus der SPD des Sonnenkönigs Wowereit, der sich auch als oberster Kulturpolitiker Berlins gefällt? Zwischenfrage: Wer hätte sich bei den Grünen unwiderstehlich aufgedrängt, im Fall eines Koalitionswechsels?

Nicht auszuschließen, dass die PDS den Posten des Kultursenators behält. Aus der Sicht des Regierenden Bürgermeisters wäre das ein geschicktes Manöver: Sollen doch die anderen die schmutzige Arbeit machen, wenn es hart kommt. Die Hauptlast der Schiller-Theater-Liquidierung hatte seinerzeit nicht der Senat, sondern ein parteiloser Kultursenator zu tragen, Ulrich Roloff-Momin. Wowereit hat für den amtierenden Kulturverwalter Thomas Flierl von der PDS nicht viel übrig. Auch in der eigenen Partei mögen sie Flierl nicht sehr. Gar keine so schlechten Voraussetzungen fürs Weitermachen. Flierl hat die Opernstiftung gestemmt – und die kann ihm nun auch um die Ohren fliegen, die bereits beschlossenen Etatkürzungen gelten als unrealistisch. Womöglich hat der Regierende für Flierl so wenig übrig, dass der stille Mann in Schwarz im Amt bleibt.

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