Kulturkaufhaus : Peter Dussmann lässt los

Der Gründer des in Berlin als "Kulturkaufhaus" bekannten Unternehmens Dussmann übergibt die Geschäftsführung an Thomas Greiner. Der 68-jährige Eigentümer, Peter Dussmann, will künftig kürzer treten.

Maren Peters

Berlin Die Offerte kam zufällig zum richtigen Zeitpunkt. „Heute morgen hat mich ein Bootsmakler angerufen und mir ein altes Lotsenboot zum Verkauf angeboten“, sagt Peter Dussmann. Muße für Ausflüge wird der Gründer und Noch-Vorstandschef der Dussmann-Gruppe künftig genug haben, der Generationswechsel steht an.

Nach jahrelanger, mühsamer Suche hat der 68-jährige Unternehmer am Dienstag ganz oben unterm Dach seines Berliner Kulturkaufhauses seinen Nachfolger vorgestellt. Der 52-jährige Thomas Greiner, wie Dussmann aus Rottweil am Neckar stammend und schon jahrelang im Unternehmen, soll künftig die Geschäfte des größten deutschen Servicekonzerns führen. Zwei neue Vorstände und vier neue Geschäftsführer bekommt er zur Verstärkung an die Seite gestellt.

„Damit sind wir exzellent aufgestellt“, sagt Eigentümer Dussmann, der als Aufsichtsratschef künftig kürzer treten will. Dussmann hatte es sich und anderen nicht leicht gemacht. Sieben Jahre hat der als bärbeißig bekannte Schwabe nach einem geeigneten Nachfolger für die Chefetage seines weltweit verzweigten Imperiums gesucht, nach einem Hirninfarkt hatte er eingesehen, dass er Unterstützung braucht. Dass die nicht aus der eigenen Familie kommen würde, war früh klar: Seine einzige Tochter wollte lieber singen. Als der Versuch scheiterte, einen familienfremden Manager zu installieren, ließ er Dussmann-Eigengewächse gegeneinander antreten. Aus diesem Wettbewerb sei „Greiner mit Abstand als Bester hervorgegangen“, sagt Dussmann.

Greiner, ein Mann mit kahlgeschorenem Kopf und Designerbrille, hörte sich brav an, wie Dussmann seinen Umgang mit Finanzen und Mitarbeitern lobte und Gemeinsamkeiten im Lebenslauf hervorhob. Der gelernte Buchhändler Dussmann hatte vor 44 Jahren mit geliehenem Geld in München einen Putzdienst für Junggesellen gegründet und darauf einen Konzern aufgebaut. Der studierte Politikwissenschaftler Greiner fing vor zehn Jahren als Pressechef bei Dussman an. 2003 übernahm er die Altenheimsparte Kursana, wurde zwei Jahre später in den Vorstand berufen und Anfang dieses Jahres auch mit der Verantwortung für mehrere osteuropäische Länder betraut.

Greiner übernimmt ein gut bestelltes Haus. Im vergangenen Jahr hat die Dussmann-Gruppe rund 1,3 Milliarden Euro umgesetzt. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres stieg der Umsatz um fünf Prozent, besonders gut lief es nach Angaben Greiners bei Kursana. Der neue Chef, der seit 1. September offiziell im Amt ist, will auch künftig vor allem organisch wachsen, schließt Übernahmen aber grundsätzlich nicht aus. „Wir sind sehr gut aufgestellt, die Kriegskasse ist gut gefüllt.“ Den Verkauf von Einzelteilen schloss er aus.

Dussmann wird ihm auch künftig auf die Finger schauen. „So lange ich lebe, muss ich mich um mein Unternehmen kümmern, das ist klar.“ Aber er will weniger arbeiten, statt 70 Stunden nur noch 20, 30 Stunden die Woche. Und vielleicht auf Weltreise gehen. Auch darum kam der Anruf des Bootsmaklers gerade Recht.

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