Wirtschaft : Kunde bekommt weiter nur eine Rechnung - Regulierungsbehörde versteigert neue Lizenzen

Telefonkunden in Deutschland werden auch in Zukunft nur eine Telefonrechnung für ihre Gespräche vom heimischen Telefonanschluss erhalten. Die Deutsche Telekom muss weiterhin auch für ihre Konkurrenten die Telefongebühren einziehen. Entgegen den Plänen des Ex-Monopolisten wird das Inkassoverfahren in seiner jetzigen Form bis Ende 2000 beibehalten. Das teilte der Präsident der Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation, Klaus-Dieter Scheurle, am Montag in Bonn mit. Zugleich gab die Behörde den Startschuss für die dritte Mobilfunkgeneration UMTS. Bis Ende April können die Unternehmen ihre Bewerbungen für insgesamt vier bis sechs Lizenzen einreichen. Anders als ursprünglich geplant, sollen für Neulinge keine Frequenzbereiche reserviert werden.

Scheurle forderte die Telekom auf, bis zur Jahresmitte den Wettbewerbern ein neues Angebot vorzulegen. Für Kundenreklamationen und das gerichtliche Eintreiben von Forderungen sollen künftig auch Wettbewerber in die Pflicht genommen werden. Anfang 2001 soll eine neue Inkasso-Regelung in Kraft treten. Scheurle sprach von einer Entscheidung für den Wettbewerb und den Verbraucher.

Die Telekom kritisierte die Entscheidung heftig. Es werde weiter "dramatische Wettbewerbsverzerrungen" geben, da das von der Telekom verlangte Inkassosystem weltweit einmalig sei. "Wir bieten den Wettbewerbern aus dem In- und Ausland Bedingungen, die es sonst nirgendwo gibt", sagte ein Sprecher. Ursprünglich wollte die Telekom die Inkassoleistung für ihre Mitwettbewerber zum 1. April einstellen. Positiv wertete es, dass die Wettbewerber im kommmenden Jahr für das Mahnwesen selbst zuständig sein werden. "Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Aber es ist noch ein weiter Weg bis zum fairen Wettbewerb."

Der Geschäftsführer der Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM), Jürgen Grützner, begrüßte die Entscheidung der Regulierungsbehörde. Sie sei eine kundenfreundliche Regelung, auf die sich der Verband mit der Telekom im Grundsatz schon verständigt hatte. Mit der Neuregelung des Inkasso ab 2001 müssen sich die neuen Anbieter selbst um Kundenreklamationen und das Beitreiben von Forderungen kümmern.

Die Lizenzen für den neuen Mobilfunkstandard UMTS sollen Scheurle zufolge zur Jahresmitte versteigert werden. Das Mindestgebot beträgt 200 Millionen Mark. Insgesamt liegt der Versteigerungserlös für alle Lizenzen bei rund 1,5 Milliarden Mark. Die vier deutschen Mobilfunkbetreiber D1, D2, E-Plus und E-2 hatten bereits ihr Interesse an den Lizenzen geäußert. Durch UMTS wird mobile Datenkommunikation in mehrfacher ISDN-Geschwindigkeit möglich. Die Investitionen in den Ausbau eines UMTS-Netzes bezifferte Scheurle auf ein Volumen von rund vier Milliarden Mark.

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