• Kunden sind verärgert - Banken achten die Privatsphäre gering und geben persönliche Daten an Dritte weiter

Wirtschaft : Kunden sind verärgert - Banken achten die Privatsphäre gering und geben persönliche Daten an Dritte weiter

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Der Brief ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. "Ich war ziemlich schockiert, als ich feststellen musste, dass meine Bank meine Kreditkartennummer einem unethischen, wahrscheinlich sogar illegalen Telefon-Marketingunternehmen überlassen hat", schrieb ein verärgerter Kunde der Bankenaufsicht. Der Brief war nur eine von 760 einschlägigen Beschwerden, die seit Juli 1998 bei den Aufsichtsbehörden des amerikanischen Kreditgewerbes eingegangen sind. Bankkunden in den USA sind zunehmend unzufrieden mit ihren Instituten. Dabei geht es nicht nur um steigende Gebühren, sondern vor allem um die Wahrung der Privatsphäre der Kunden. Das Repräsentantenhaus hat am 1. Juli im Rahmen der anstehenden Bankenreform ein Gesetz verabschiedet, das Bankkunden das Recht einräumt, ihrem Institut die Weitergabe von persönlichen Informationen an Dritte zu verbieten. Es ist aber noch nicht in Kraft getreten, weil der Senat keine ähnliche Regelung verabschiedet hat. Zudem würde das Gesetz den Austausch sensibler Kundendaten wie Adressen, Telefonnummern und die Nummer der Sozialversicherung innerhalb eines Konzerns doch erlauben. Das aber ist für die Verbraucherorganisationen ein Bruch der Privatsphäre. Denn mangels Personalausweisen werden in den USA Kreditkarten, Führerscheine und die "Social Security Number" als Nachweis der Identität genutzt.

Wer die Daten eines Dritten kennt, kann viel Unheil damit anrichten. Die Regierung Clinton hatte im vergangenen Jahr das Chaos noch vergrößert. Unter dem Stichwort "Know Your Customer" (Lerne Deinen Kunden kennen) sollten Banken die Verhaltensmodelle ihrer Kunden festhalten, um gegebenenfalls Abweichungen von der Routine festzustellen. Ein öffentlicher Protest zwang die Aufsichtsbehörden, den Vorschlag abrupt wieder fallenzulassen. Und solange keine verbindliche rechtliche Regelung besteht, können Banken - obwohl sie es nicht sollten - auch persönliche Informationen ihrer Kunden weitergeben. Die U.S. Bancorp hatte Informationen über Kunden an Marketingunternehmen verkauft. Nach einer Klage des Justizministers des Bundesstaates Minnesota verpflichtete sie sich, die umstrittene Praxis einzustellen. Außerdem zahlt sie über drei Mill. Dollar Buße. Für die aggressive Verbraucherorganisation U.S. Public Interest Research Group ist das ein Präzedenzfall: "Der Vorgang spielt eine wichtige Rolle beim Schutz privater Informationen."

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