Wirtschaft : Kunden sollen Dickmacher leichter erkennen

Berlin - In der Debatte um Dickmacher in Lebensmitteln gehen die großen Konzerne in die Offensive. Branchengrößen wie Nestlé oder Unilever wollen künftig umfangreiche Angaben zu Nährwerten auf den Produktpackungen machen, wie einzelne Unternehmen und der Branchenverband BLL am Dienstag bestätigten. Neu ist demnach unter anderem, dass die Kunden schon auf der Vorderseite der Verpackung über die Kilokalorien eines Produkts informiert werden sollen. Verbraucherschützern gehen die Pläne der Lebensmittelkonzerne aber nicht weit genug.

An der Initiative beteiligen sich nach Angaben des Bundes für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) die Unternehmen Kellogg’s, Coca-Cola, Danone, Kraft, Nestlé, Pepsico, Unilever, Masterfoods und Campbells. Auf den Produkt-Packungen dieser Unternehmen soll es nach Angaben eines Nestlé-Sprechers künftig Informationen zu Kilokalorien, Eiweiß, Kohlenhydraten, Fett, gesättigtem Fett, Ballaststoffen, Natrium und Zucker geben. Zu diesen Nährwerten gibt es demnach auf der Rückseite der Packungen Angaben pro 100 Gramm und zusätzlich pro Portion.

Die Verbraucher sollen zudem erfahren, wie viel Fett oder Kilokalorien des empfohlenen Tagesbedarfs sie mit einem Schokoriegel oder einer Portion Cornflakes aufnehmen. Dazu wird bei den einzelnen Nährwerten der prozentuale Anteil an einem Tagesrichtwert angegeben. Auf der Vorderseite der Packungen soll es zudem Angaben zu Kilokalorien geben. Die Firmen wollen ihre Packungen in den kommenden Jahren nach und nach umstellen.

Kritik an dem Vorstoß übte die Verbraucherorganisation Foodwatch. Dieser Plan sei kein „wirklicher Durchbruch“, sagte der stellvertretende Foodwatch-Geschäftsführer Matthias Wolfschmidt. Bei dem Vorstoß handele es sich um eine „Vorwärtsverteidigungsstrategie“, um strengere Regeln zu verhindern. Die Organisation hält ein Ampelsystem für effektiver, bei dem Produkte mit hohem Fett- oder Zuckergehalt einen roten Punkt und im Gegensatz dazu Lebensmittel mit geringeren Anteilen einen grünen Punkt erhalten. Ein solches System wird auch in Brüssel diskutiert. Die Industrie lehnt das aber ab. Dies sei zu plakativ und stelle eine Bevormundung der Verbraucher dar, heißt es in der Branche. AFP

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