Wirtschaft : Kunden überziehen Microsoft mit Klagen - Windows sei zu teuer, lautet der Vorwurf

Der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft muss in Deutschland vorerst nicht mit Verbraucherklagen oder einem Kartellprozess rechnen. Ein Sprecher des Bundeskartellamtes in Bonn sagte am Dienstag, seine Behörde werde zunächst das US-Kartellverfahren beobachten. Wenn das Ergebnis des Verfahrens in den USA vorliege, müsse überprüft werden, ob Microsoft gegen das deutsche Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkung verstoßen habe. Man werde vorerst keine Initiative von deutscher Seite beginnen, um den laufenden Prozess des amerikanischen Kartellamtes gegen Microsoft zu unterstützen.

Die Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände (AgV) erklärte, ihr lägen keine konkreten Beschwerden gegen das Geschäftsgebahren von Microsoft in Deutschland vor. "Die ganze Materie ist wahnsinnig komplex", sagte Manfred Dimper, Abteilungsleiter für Verbraucherpolitik. Im Zweifel werde die AgV "ein Signal des Kartellamtes" abwarten.

In San Francisco war am Montag (Ortszeit) eine Sammelklage gegen Microsoft im Namen von Millionen kalifornischer Verbraucher und Unternehmen wegen angeblich überhöhter Monopolpreise von drei Anwälten eingelegt worden. In der Klage wird Microsoft beschuldigt, seine Monopolstellung bei Betriebssystem-Software ausgenutzt zu haben, um den Käufern von "Windows 95" und "Windows 98" zu viel Geld abzunehmen. Die Klage hat nach Mitteilung des Gerichts einen Umfang von 16 Seiten und wird von einer 206-seitigen Dokumentation begleitet. Microsoft wies in den USA die Vorwürfe als "grundlos" zurück.

Die Börse zeigte sich von der Sammelklage weitgehend unbeeindruckt. Die Aktien des Softwareriesen legten am Montag (Ortszeit) in New York sogar kräftig zu, nachdem im US-Kartellverfahren ein Vermittler ernannt worden war. Das Microsoft-Papier legte in New York um 4,4 Prozent auf 89,81 Dollar zu.

Experten werteten die Berufung von Richard Posner als Vermittler im Kartellprozess als Anzeichen für einen außergerichtlichen Vergleich. Eine Entflechtung des Software-Riesen erscheine nunmehr unwahrscheinlich, sagte der Analyst Michael Stanek von Lehman Brothers der Finanzagentur dpa/AFX. "Unserer Auffassung nach wird der Druck auf beide Parteien steigen, eine Einigung zu erzielen", erklärte Stanek. Die Ernennung von Posner, der zu der konservativen "Chicago School" gezählt wird, signalisiert nach Analysteneinschätzung eine positive Wende für Microsoft.

Der im Kartellprozess zuständige Richter Thomas Penfield Jackson in Washington hatte in einer Fallübersicht Microsoft als Monopol bezeichnet, dessen wettbewerbswidrige Geschäftsmethoden Innovationen behindert und den Konsumenten geschadet hätten. Außerdem hatte Jackson festgestellt, dass Microsoft auch dann noch einen erheblichen Gewinn machen würde, wenn das Unternehmen sein Hauptprodukt "Windows 98" für 49 Dollar statt der derzeit verlangten 89 Dollar verkaufen würde. In Deutschland kostet der Wechsel ("Update") von Windows 95 auf Windows 98 nach Angaben des Unternehmens 199 DM.

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