Wirtschaft : Kunden verärgert über neue Bahn-Fahrpreise

Verbände lehnen hohe Umtausch-Gebühren nach Tarifreform ab und fordern Nachbesserungen

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Berlin (brö/hop). Fahrgast- und Umweltverbände haben die Deutsche Bahn aufgefordert, ihr neues Preissystem kundenfreundlicher zu gestalten. Die Umtauschgebühren für nicht genutzte Bahn-Fahrscheine seien „absurd hoch“, sagte Karl-Peter Naumann, Vorsitzender der Vereinigung Pro Bahn, am Montag dem Tagesspiegel. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) forderte, bei Verspätungen von Zügen müsse die Bahn den Kunden besser entschädigen als bislang. Albert Schmidt, Grünen-Verkehrsexperte und Mitglied im Bahn-Aufsichtsrat, verlangte vom Management „Nachbesserungen“. Dies gelte auch für Teilzeit-Berufspendler, die sich auf höhere Fahrpreise einstellen müssten.

Am 15. Dezember will die Bahn ihr altes Tarifsystem durch ein neues, transparenteres ersetzen. Kern der Reform soll sein, dass Kunden umso höhere Rabatte bekommen, je früher sie sich auf einen bestimmten Zug festlegen. Außerdem sollen die Preise für Familien, Gruppen und Langstrecken-Fahrer attraktiver werden als bislang. Die genauen Tarife will Bahnchef Hartmut Mehdorn am Mittwoch bekannt geben. Sie sollen sich nicht nur nach der Entfernung, sondern auch nach der Konkurrenz durch Flugzeug und Auto auf der jeweiligen Verbindung richten.

Knackpunkt dabei sind indes die Kosten für nicht genutzte Fahrscheine. Wer seinen Zug verpasst oder seine Reisepläne kurzfristig ändert, muss eine Stornogebühr von bis zu 45 Euro zahlen. Die Bahn verteidigt dies mit dem Hinweis darauf, dass geringere Gebühren den Anreiz verringern würden, einen bestimmten Zug zu wählen. Der Verband Pro Bahn hält dies für einen Fehler. „Die Leute müssen die Bahn flexibler als das Flugzeug nutzen können, deshalb sollten die Storno-Gebühren höchstens bei drei Euro liegen“, schlägt Verbandschef Naumann vor. Albert Schmidt von den Grünen sagte, die Storno-Regelung sei ein „Schwachpunkt“ der Preisreform, hier müsse die Bahn großzügiger sein.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) forderte die Bundesregierung auf, bei der Bahn Nachbesserungen zu erwirken. Verkehrsexpertin Annette Volkens sagte, die Gebühren seien „auf keinen Fall durchhaltbar“. Außerdem müssten die Haftungsansprüche des Kunden bei Verspätungen ausgebaut werden. Bislang gleicht die Bahn Ansprüche ihrer Kunden auf Kulanzbasis aus, verpflichtet ist sie indes dazu nicht. Es gebe bereits Signale, dass die Kundenrechte in dieser Wahlperiode gestärkt würden, sagte Volkens.

Bei Unternehmen stößt die Bahnpreisreform auf ein gemischtes Echo. Während die Deutsche Telekom nicht mit zusätzlichen Belastungen für ihr Budget für Dienstreisen rechnet, sagte ein Siemens-Sprecher: „Das kann ich nicht ausschließen.“ Zurzeit werde ein Sparkurs gefahren, hieß es bei Siemens, davon seien auch Dienstreisen betroffen. „Höhere Preise wären hier also für uns das falsche Signal.“

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