Kundenberater : Wenn Druck krank macht

Berater berichten aus ihrem Alltag: „Das Bankwesen ist nur noch eine Drückerkolonne, mehr nicht."

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„Das Bankwesen ist nur noch eine Drückerkolonne, mehr nicht. Es wird immer von bedarfsgerechter Beratung gesprochen, aber in Wirklichkeit werden schon vor dem Kundengespräch das Produkt und die Summe festgelegt.“ Das schreibt ein Kundenberater einer Bank in einer anonymen Umfrage der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Uwe Foullong, Vorstandsmitglied bei Verdi, macht den Vertriebsdruck bei den Instituten dafür verantwortlich, dass Bankberater ihren Kunden teilweise unseriöse Produkte aufschwatzen. „Der Umgang in der Bank ist teilweise menschenunwürdig. Die Beschäftigten werden gezwungen, den Kunden Papiere zu verkaufen, die sie nicht wollen oder brauchen. Viele Berater halten diesen Druck nicht aus und werden krank“, sagt Foullong.

Die Aussagen der Verdi-Mitglieder unterstreichen diese These: „So wie die Arbeitsbedingungen jetzt sind, führen sie zu gesundheitlichen Schäden. Es muss sich unbedingt etwas ändern. Der Kunde erhält keine bedarfsgerechte Beratung mehr. Produkte werden in Mogelpackungen angeboten, das ist nicht seriös. Viele Kunden kommen schon gar nicht mehr zur Beratung“, schreibt ein Mitarbeiter einer privaten Bank. Aber auch die Angestellten von Sparkassen und Genossenschaftsbanken geben frustrierte Kommentare ab: „Wöchentliche, schriftliche Stellungnahmen, in denen ich meine Ziele für die Woche darlegen muss, empfinde ich als Psychodruck. Man wird gezwungen, keine realistischen Vorgaben reinzuschreiben, sondern das, was der Chef gerne sehen möchte.“

Beim Bundesverband der privaten Banken sowie bei einzelnen privaten Instituten möchte man sich zu „solchen Pauschalvorwürfen“ nicht äußern. Eine Sprecherin des Sparkassenverbandes erklärte dem Tagesspiegel: „Natürlich gibt es eine Leistungserwartung. Aber entscheidend ist für uns die Kundenzufriedenheit. Die erreichen wir nur durch eine ganzheitliche Beratung. “ Miriam Schröder

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