Wirtschaft : Kundenbetreuung: Banken benachteiligen Mittelständler

Die Beziehungen der Banken zu den mittelständischen Unternehmen verschlechtern sich zusehends. Das hat eine Studie der Universität Hamburg in Zusammenarbeit mit dem Unternehmens- und Arbeitgeberverband AGA ergeben, die am Mittwoch in Hamburg vorgestellt wurde. Danach haben es vor allem kleine Unternehmen, die keine großen Gewinne einfahren, immer schwerer, Kredite zu bekommen.

"Die Banken haben meiner Meinung nach auch eine gesamtwirtschaftliche Aufgabe, nicht nur eine Gewinnmaximierungs-Aufgabe", sagte Professor Karl-Werner Hansmann vom Institut für Industrie und Organisation der Universität Hamburg. Als Beschäftigungsmotor und Bereitsteller von über 80 Prozent aller Ausbildungsplätze seien die mittelständischen Unternehmen unerlässlich für eine gesunde Volkswirtschaft. Die immer bürokratischere Kreditvergabe gefährde besonders die Unternehmen, die auf gute Beziehungen zu ihrer Hausbank angewiesen seien, mahnte Hansmann.

So klagt etwa ein Viertel der 511 befragten Unternehmen über eine abnehmende Bereitschaft der Banken zur Kreditvergabe und über eine Verschlechterung der Kundenbetreuung. Bei den besonders auf Kredite angewiesenen Unternehmen mit ungünstiger Gewinnentwicklung sind es sogar mehr als die Hälfte. Überraschenderweise hat die Studie ergeben, dass sich die Sparkassen bei Kreditvergabe und Kundenbetreuung nicht signifikant von den Geschäftsbanken unterscheiden. Für eine Verschlechterung der Beziehungen sorgt laut AGA-Vorstandssprecher Volker Schmidtchen unter anderem das so genannte Rating. Dabei werden die Unternehmen nach ihrer Kreditwürdigkeit ähnlich wie mit Schulnoten bewertet. Auch die Branche spielt eine Rolle: "Wenn Sie ein gut gehendes Schuhgeschäft betreiben, nützt Ihnen das nicht viel, da diese Branche durchschnittlich nur eine 4,2 bekommt", erklärte Schmidtchen. Diese Praxis sei realitätsfern und mittelstandsfeindlich.

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