Wirtschaft : Kurbeln, was das Zeug hält

Winfried Konrad

DAS TESTURTEIL: 6 Punkte 0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

Eine echte Schönheit ist die batterielose, mit Dynamo ausgestattete Kurbel-Taschenlampe nicht gerade. Das silbrig-schwarze, circa 14 Zentimeter lange und etwa 230 Gramm schwere Gerät mit einklappbarer Handkurbel und LED-Leuchten (zwei Helligkeitsstufen) ist auch nichts für Untrainierte. Denn die kommen beim Kurbeln leicht ins Rotieren und reagieren mit Verspannungen der Armmuskulatur, während sich auf der Haut Schweiß bildet. Trotzdem ist die Taschenlampe hervorragend geeignet als Notlampe überall dort, wo Licht unabhängig von Steckdosen und Batterien benötigt wird. Ideal also fürs Handschuhfach im Auto oder den Werkzeugkasten.

Die Taschenlampe wird je nach Händler unter verschiedenen Produktnamen vertrieben. Ich habe mir für knapp zehn Euro eine Lampe mit der Bezeichnung Heitronic in einem Baumarkt geholt.

Nach dem Kurbeln sollte man keine allzu lange Brenndauer erwarten: wer 120 Umdrehungen pro Minute, also zwei pro Sekunde schafft, bekommt für 30 bis 60 Minuten Licht. Und drei Minuten kurbeln mit den oben beschriebenen Nebenwirkungen reichen für eine Handy-Gesprächsdauer von zwei bis acht Minuten oder eine Stand-by-Zeit von 20 bis 50 Minuten. Immerhin.

Wer die Lampe zwischendurch mal ohne Körpereinsatz aufladen will, wird vielleicht ein Ladekabel für die Steckdose vermissen. Und zum Akku besteht keine Alternative: Der Austausch gegen Batterien ist nicht möglich. Trotzdem: Die Idee, sich mit Muskelkraft unabhängig von Stromversorgung und Batterien zu machen, ist blendend.

Mehr noch als das Licht hat mich eine Zusatzfunktion begeistert: der Lampendynamo macht auch leere Handyakkus wieder munter. Zu der von mir getesteten Billigversion gibt es allerdings nur ein Nokia-kompatibles Kabel. Wer mehr will, muss auch mehr ausgeben: Unter dem Namen Velamp werden im Internet für knapp 15 Euro Kurbellampen, die genauso wie das Heitronic-Gerät aussehen, inklusive Adapter für Motorolas, Sony-Ericssons und Samsungs angeboten.

Für Anspruchsvollere gibt es inzwischen eine Reihe von Geräten anderer Hersteller, die für mehr Geld Ähnliches oder Zusätzliches bieten. Zum Beispiel eine Lampe, deren Akku sich durch Schütteln auflädt oder durch Drehen am Gehäuse. Auch mit integriertem Radio und Kopfhörern gibt es die Dinger. Der Preis, den ich letztlich zahlen musste, war dann doch höher als erwartet: Als ich mit der Lampe vom Baumarkt nach Hause wollte, fuhr mir ein Lastwagen in die Seite. Raten Sie mal, was mir abends um sechs auf dem dunklen Munsterdamm bei der Begutachtung des Blechschadens half?

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