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Kurs fällt weiter ab : Euro auf tiefstem Stand seit 2006

So tief stand der Euro zuletzt vor neun Jahren: Der Streit um Griechenland hat die Währung geschwächt. Der Politik kommt das aber sogar entgegen, weil es Exporte billiger macht.

Der Wert des Euro sinkt weiter. Vor allem wegen der Lage in Griechenland.
Der Wert des Euro sinkt weiter. Vor allem wegen der Lage in Griechenland.Foto: dpa


Frankfurt am Main - Der Euro verharrte am Montag mit Kursen von knapp unter 1,20 Dollar auf dem tiefsten Stand seit fast neun Jahren. Die Debatte um einen möglichen Austritt Griechenlands und mögliche Staatsanleihekäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Euro unter Druck. Ökonomen rechnen damit, dass sich an dieser Lage auch in den nächsten Wochen und Monaten wenig ändert.

Der Hauptgrund dafür: Zum einen läuft die Konjunktur in den USA besser als in der Euro-Zone. Zum anderen wird die EZB die Zinsen weiterhin niedrig halten und plant sogar weitere Sondermaßnahmen wie Anleihekäufe. Dagegen hat die US-Notenbank Fed die Zinswende mit dem Stopp ihres Anleihekaufprogramms im Oktober bereits eingeleitet. Möglicherweise wird sie schon im März erstmals seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 wieder die Zinsen erhöhen.

Die Kluft zwischen Euro und Dollar wächst

Zudem schwächen eher anekdotische Vorschläge wie jener von Willem Buiter, Chef-Ökonom der Citigroup, den Euro. Buiter schlägt vor, dass die EZB jedem Bürger der Euro-Zone mehrere hunderte Euro schenkt, um damit den Konsum anzukurbeln und einer möglichen Deflation zu begegnen.

All das führt dazu, dass sich der Renditeabstand zwischen Euro und Dollar weiter vergrößert. Zehnjährige Bundesanleihen werfen derzeit gerade mal 0,5 Prozent ab, entsprechende US-Staatsanleihen dagegen knapp 2,2 Prozent. Dies spiegelt sich in den Wechselkursen wider. Volkswirte erwarten, dass sich die Schere zwischen Euro und Dollar im Lauf des Jahres weiter öffnet und der Euro im Laufe des Jahres auf 1,15 Dollar abrutscht. Die Deutsche Bank erwartet für 2017 sogar die Parität: Für einen Euro müsste man dann nur noch ein Dollar bezahlen.

Der schwache Euro ist gut für die EZB

Klar ist aber auch: Ein geschwächter Euro kommt der EZB und ihrem Präsidenten Mario Draghi durchaus entgegen. Denn damit werden Produkte aus der Euro-Zone in Dollar-Ländern günstiger, was den Export und damit die Konjunktur beflügeln könnte. Ökonomen zufolge darf dieser Effekt aber nicht überschätzt werden, schließlich fließt der überwiegende Anteil der Exporte der Euro-Länder in andere Euro-Staaten – in Deutschland sind es fast zwei Drittel. Sie werden mit Euro bezahlt, der Wechselkurs spielt keine Rolle.

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Nachteilig wirkt sich der schwache Euro dagegen auf Importe aus Dollar-Ländern aus. Sie werden tendenziell teurer. Im Prinzip gilt das auch für Öl, das mit Dollar bezahlt wird. Angesichts des rekordtiefen Ölpreises fällt dies derzeit weniger auf. Allerdings könnte der Sprit an der Tankstelle mit einem stärkeren Euro noch günstiger sein.

Anleger meiden die Euro-Zone

Für den Kapitalmarkt ist der schwache Euro allerdings ein erheblicher Nachteil, wie Eugen Keller vom Bankhaus Metzler betont. Draghis jüngste Äußerungen über anhaltend niedrige Zinsen und mögliche Staatsanleihekäufe hätten die Renditen nochmals stark gedrückt und dazu geführt, dass immer mehr Renten-Anleger einen Bogen um die Euro-Zone machen“. Weitere Belastungen für den Euro sieht er in den gedämpften Wachstumsprognosen in der Euro-Zone. Nach Ansicht von Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen wird auch die für Euro-Zone zu erwartende negative Inflationsrate im Dezember und vermutlich auch im Januar und Februar auf den Euro drücken, weil sie die „Tauben“, die eine weichere Geldpolitik befürworten, als Argument für großangelegte Staatsanleihekäufe heranziehen werden.

Das Öl soll die Konjunktur stützen

Die Falken – und damit die „Hardliner“ im EZB-Rat wie etwa Bundesbank-Präsident Jens Weidmann – bremsen dagegen. Sie verweisen vor allem auf das billige Öl. Allein das sei schon ein „kleines Konjunkturprogramm“, dass die Wirtschaft und den Konsum in Euroland stützen könne. Zusätzliche Geldspritzen über ein Anleihekaufprogramm sind deshalb nach Angaben von Kritikern vorerst unnötig. Der Freiburger Ökonom und Wirtschaftsweise Lars Feld rät der EZB ohnehin davon ab, am 22. Januar, auf der geldpolitischen Sitzung der EZB-Rates über ein Staatsanleiheprogramm zu entscheiden. Schließlich werde drei Tage später in Griechenland gewählt.
Freilich stehen die Chancen für Draghi, seinen Kurs durchzusetzen nicht schlecht. Nach Ansicht von EZB-Kenner Michael Schubert von der Commerzbank sitzen im 25-köpfigen EZB-Rat zusammen mit Draghi 13 Tauben, aber nur sieben Falken. Fünf Notenbanker seien als neutral einzustufen. Auch solche Einschätzungen könnten den Euro weiter drücken.

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