Wirtschaft : Kursabstürze und Zahlenspiele

Die Börse rechnet schon mit einer neuen Finanzkrise

Düstere Aussicht.
Düstere Aussicht.Foto: REUTERS

Berlin - Die zwischenzeitliche Erholung am Aktienmarkt ist Vergangenheit. An der Börse werden wieder Crash-Szenarien gehandelt. Dabei scheint eine drohende Pleite Griechenlands bereits in den Kursen enthalten zu sein.

Aufgeschreckt wurden Anleger am Dienstag vom spektakulären Absturz der Dexia-Aktie. Das Papier der belgisch- französischen Finanzgruppe brach an der Pariser Börse zum Auftakt des Handels um mehr als 32 Prozent ein und kostete weniger als einen Euro. Die belgische Nachrichtenagentur Belga hatte über bisher unbestätigte Gerüchte berichtet, wonach eine „Bad Bank“ mit Risikopapieren geschaffen werden könnte. Der Verwaltungsrat hatte in der Nacht bei einer Krisensitzung jedoch keine Entscheidungen getroffen.

Das Beispiel zeigt: Die Anleger reagieren angesichts der ungelösten Schuldenkrise in Europa extrem nervös auf jede Spekulation aus der Finanzbranche. Auch deutsche Bankaktien gerieten massiv unter Druck. Nach der Gewinnwarnung der Deutschen Bank (siehe Artikel oben) rutschte die Aktie zwischenzeitlich um bis zu sieben Prozent ab. „Was wir sehen, ist, dass sich Investoren die Banken herauspicken“, sagte Analyst Justin Urquhart Stewart von Seven Investment Management. „Und Dexia ist die schwächste. Die Politiker müssen jetzt hinter den Banken stehen und das System am Leben halten. Andernfalls droht uns eine neue Finanzkrise.“

Dass die Sorgen vor einer neuen Finanzkrise ernst genommen werden müssen, zeigen die Spannungen am Geldmarkt des Euroraums. Am Dienstag stiegen die eintägigen Einlagen der Geschäftsbanken bei der Europäischen Zentralbank (EZB) erstmals seit mehr als einem Jahr über die Marke von 200 Milliarden Euro, wie die EZB mitteilte. Die Summe lag bei 209,3 Milliarden Euro und damit so hoch wie zuletzt Mitte Juli 2010. Die eintägigen Einlagen und Ausleihungen gelten als Indikator für das Misstrauen der Institute untereinander.

Ein anderer Indikator für die Nervosität der Märkte – der V-Dax – sprang am Dienstag ebenfalls nach oben. Bei einem Wert von mehr als 51 Punkten notierte das „Angst-Barometer“ zuletzt Ende 2008.

Um Parallelen zur letzten Finanzkrise zu ziehen, bemühten Börsianer am Dienstag auch eine Kuriosität: Am Montag hatte der S&500-Index an der New Yorker Börse bei 1099,23 Punkten geschlossen – dem exakt gleichen Stand wie am 3. Oktober 2008. Damals war sein Kurs bis Jahresende noch um 18 Prozent gefallen. „Das ist natürlich ein kompletter Zufall“, sagte Christian Keilland vom Brokerhauses BTIG. „Aber es sieht danach aus, dass – wo immer die Reise hingeht – es schneller, härter und rauer wird.“

Das scheint auch in den Beratungen der EU-Finanzminister in Luxemburg durch. Deutschland dringt nun Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble  zufolge auf Vorkehrungen in allen Euro-Ländern zur Abwehr einer neuen Bankenkrise. mot/rtr

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