Wirtschaft : Kurse an den Börsen fangen sich wieder

FRANKFURT (MAIN) (ro).Nach zwei Tagen mit schweren Kursverlusten hat sich die Deutsche Börse am Mittwoch deutlich erholt.Die Kurse in Frankfurt kletterten bis zum frühen Nachmittag um mehr als zwei Prozent auf einen Dax-Stand von knapp 5390 Punkten.Experten sind sich allerdings uneins, ob damit die seit vier Wochen anhaltende Talfahrt an der deutschen Börse beendet ist.Als Risiken gelten nach wie vor die Asienkrise, die Turbulenzen in Japan und eine mögliche Abwertung der chinesischen Währung.

Als Gefahr betrachten manche Beobachter auch eine mögliche Deflation.Tendenziell erwarten allerdings etliche Experten aufgrund der niedrigen Zinsen mittel- und langfristig wieder steigende Kurse.Die Analysten der Commerzbank etwa prognostizieren für das Jahresende nach wie vor einen Dax-Stand von 6300 Punkten.

Nicht ganz einig sind sich offenbar die Volkswirte der Deutschen Bank vor dem Hintergrund der Börsenentwicklung und der Krise in Asien über die weitere Entwicklung der deutschen Wirtschaft.Während der stellvertretende Chefvolkswirt Axel Siedenberg am Dienstag durchaus optimistisch auf das kommende Jahr geblickt hatte, meinte Chefvolkswirt Norbert Walter am Mittwoch, die deutsche Wirtschaft könne froh sein, wenn sie mit einem blauen Auge davon komme.

Die Kurse in Frankfurt kletterten am Mittwoch auf breiter Front.Die größten Gewinner waren Karstadt und SAP.Die Aktie des Software-Herstellers legte um rund zehn Prozent zu.Beide Papiere hatten allerdings am Vortag auch die dicksten Einbußen hinnehmen müssen.Von genereller Zuversicht war auf dem Parkett am Mittwoch noch nichts zu spüren.Händler sprachen von einer technischen Reaktion.Die Kurse müßten jetzt erst einige Tage wieder nach oben zeigen, bevor man sicher davon sprechen könne, daß es aufwärts gehe.

Thomas Tilse, Chef-Analyst der Commerzbank, bleibt weiter Optimist.Zwar könne der Dax noch einmal um 100 Punkte fallen, zum Jahresende werde er aber auf 6300 Punkte steigen.Das Umfeld sei etwa mit Blick auf die Zinsen und die weiter steigenden Unternehmensgewinne intakt.Derzeit gebe es gute Chancen, wieder in das Aktiengeschäft einzusteigen.Die Risiken der Asienkrise und einer möglichen Abwertung in China hält er für begrenzt.Mehr Sorgen macht Tilse eine mögliche Deflation und damit eine Abwärtsspirale bei den Preisen.

Auch Horst Zirener, bei der Dekabank im Vorstand für Wertpapierfonds zuständig, glaubt weiter an einen Aufwärtstrend an der Börse: "Die fundamentalen Daten haben sich in Europa nicht geändert, Gewinnwachstum, niedrige Zinsen und hohe Liquidität kennzeichnen nach wie vor den Markt."

Auch der New Yorker Börsenexperte Heiko Thieme betrachtet die derzeitige Entwicklung nur als Korrektur.Das augenblickliche Sinken der Kurse sei ein "klassisches Kaufsignal".Die Auswirkungen der Krise in Asien und Rußland hält Thieme für begrenzt.Bisher hätten sich die Turbulenzen als beherrschbar erwiesen.Spätestens in einem Dreivierteljahr, so Thieme, gebe es beim Dax einen neuen Höchststand.

Ähnlich wie Deutsche Bank-Chefvolkswirt Walter betrachtet Thomas Schiessle, Chefanalyst der Bankhauses Delbrück, die derzeitige Entwicklung dagegen mit Skepsis.Noch könne man keine Entwarnung geben, der Kurssprung sei erst einmal nur eine kleine Veschnaufpause.Die Gefahr aus Asien oder auch aus den USA - wenn sich dort die Konjunktur abschwächt - sei weiter virulent.In Japan müßten die Politiker endlich die Probleme anpacken.Ein möglicher Brandherd, so Schiessle, sei auch China.

Durch die Flutkatastrophe komme das Land noch mehr in Schwierigkeiten.Eine mögliche Abwertung der chinesischen Währung werde alle Währungen in Asien mitreißen und letztlich auch die Börsianer in Europa zur Kasse bitten.

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