Wirtschaft : Kurseinbrüche an Moskauer Börse

MOSKAU (dpa/rtr).Spekulationen um eine Abwertung des Rubels haben am Donnerstag zu drastischen Kursverlusten an der Moskauer Börse und panikartigen Reaktionen der Händler geführt.Der Handel an der Börse wurde nach Kursverlusten bis 25 Prozent für 35 Minuten unterbrochen.Angesichts der Liquiditätskrise im Interbankenhandel beschränkte die Zentralbank den Dollarverkauf auf Geschäftsbanken.Am Nachmittag haben sich die die Aktienkurse schließlich wieder leicht erholt.Die Kurse der wichtigsten Aktien lägen um zehn bis 15 Prozent niedriger als am Vortag, meldete die Nachrichtenagentur Interfax.Die Händler blieben aber weiter pessimistisch.Das Handelsvolumen sei niedrig gewesen.

Neue Nahrung erhielten die Spekulationen um eine Rubelabwertung von einem Brief des einflußreichen US-Milliardärs und Financiers George Soros, der in der Londoner Zeitung "Financial Times" veröffentlicht wurde.Darin fordert Soros eine Abwertung des Rubels um 15 bis 25 Prozent und eine feste Anbindung an den Dollar oder Euro.Zur Absicherung der Kursanbindung brauche die russische Notenbank Währungsreserven von 50 Mrd.Dollar, schrieb Soros.

Die Zentralbankreserven liegen derzeit bei 17,5 Mrd.Dollar.Zur Auffüllung der Reserven forderte Soros zusätzliche Finanzhilfe von den sieben großen Industriestaaten (G-7) in Höhe von 15 Mrd.Dollar.Etwa 17 Mrd.Dollar Hilfe hat der Internationale Währungsfonds (IWF) Rußland bereits zugesagt.

Derzeit gilt in Rußland ein Wechselkurskorridor, in dem der Rubel zum Dollar schwanken kann.Der Kurs darf bis zu 15 Prozent unter oder über 6,2 Rubel je Dollar schwanken.Die Zentralbank hat den Kurs für Freitag auf 6,27 Rubel für einen Dollar festgesetzt.In den vergangenen Tagen hatte der Börsenkurs die festgesetzte Obergrenze im Handel zeitweise erreicht und sogar überschritten.

Der russische Ministerpräsident Sergej Kirijenko sagte, die Krise habe psychologische Gründe.Die Dollarreserven der Zentralbank seien höher als im Juli, betonte er.Das Kabinett werde gegen den Widerstand im Parlament an der Durchsetzung des Anti-Krisen-Programms festhalten.Dies sei die Antwort der Regierung auf die Panik an den Finanzmärkten.Moskau werde alle Verpflichtungen zur Bedienung der Staatsschulden erfüllen, versicherte er.

Sollte die Duma wie angekündigt die für den 19.und 20.August geplanten Sondersitzungen verlegen, könne Rußland im September große Probleme bekommen, warnte Kirijenko.Bei den Sitzungen soll das Parlament die noch ausstehenden Steuergesetze verabschieden.Von der Annahme dieser Gesetze hat der IWF die Freigabe weiterer Tranchen aus dem diesjährigen Hilfspaket über 11,2 Mrd.Dollar noch im September abhängig gemacht.

Die Zentralbank forderte unterdessen, die Geschäftsbanken dürften künftig nicht mehr höhere Devisensummen anfordern, als Aufträge der Kunden vorlägen.Damit solle die wachsende Devisenverschuldung im Interbankenhandel gestoppt werden, sagte der stellvertretende Zentralbankchef Denis Kisseljow.

Der Reuters-Sammelindex führender russischer Aktien zeigte am späten Donnerstag nachmittag ein Minus von rund zehn Prozent an.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben