Wirtschaft : Kurssturz in Asien reißt weltweit die Aktien in die Tiefe

BERLIN (Tsp).Die Krise in Asien hat am Dienstag weltweit die Aktienkurse in die Tiefe gerissen.Die deutschen Aktien fielen auf den niedrigsten Stand seit Mitte Mai.Der Deutsche Aktienindex Dax schloß fast vier Prozent niedriger als am Montag bei 5268,40 Punkten.Zu massiven Kursverlusten kam es auch in New York und an den Börsen Südostasiens.In Singapur stürzte der STI-Index auf den niedrigsten Wert seit Dezember 1988.In einem Jahr hat die größte Börse Südostasiens damit mehr als 50 Prozent ihres Wertes verloren.In Hongkong fiel der Hang-Seng-Index unter 7000 Punkte.Er war damit so niedrig wie seit 1993 nicht mehr.

Auslöser für die Kurseinbrüche war die Talfahrt des japanischen Yen.Die anhaltende Schwäche der Währung verstärkte Befürchtungen, daß nun der chinesische Yuan und der Hongkong-Dollar abgewertet werden und sich die Asienkrise beträchtlich verschlimmert.Die Warnung des japanischen Finanzministers Kiichi Miyazawa vor Eingriffen der Notenbank hielt den Kursverfall des Yen nicht nachhaltig auf.Erstmals seit acht Jahren mußten für einen Dollar mehr als 147 Yen bezahlt werden.

In Tokio stürzte der Nikkei-Index unterdessen um 219,43 Punkte oder 1,4 Prozent auf 15 406,99 Zähler.Damit schloß Asiens Leitbörse zum siebten Mal in Folge mit einem Verlust.Vor allem Banken verbuchten Kurseinbrüche."Es ist ein Teufelskreis", sagte ein Händler einer japanischen Bank, "Kursrückgänge am Tokioter Aktienmarkt lösen Yen-Verkäufe aus, und der Fall des Yen zieht die asiatischen Aktien und Währungen nach unten." Japans Volkswirtschaft sei die zweitgrößte der Welt, und ihre Krise könne weder von Europa noch von den USA ignoriert werden, hieß es in Frankfurt (Main).

Entsprechend gaben die Kurse weltweit auf breiter Front nach.Der Dow Jones Index verlor in den ersten Handelsminuten um 212,93 Punkteauf 8361,92 Zähler.An der neben Frankfurt wichtigsten europäischen Börse, der Londoner Stock Exchange, fiel der Financial Times-Index von 100 führenden Werten auf ein Siebenmonatstief.Verluste mußten auch Paris und Mailand verbuchen.An der Börse in Moskau wurde der Handel nach Kursverlusten von fast zehn Prozent sogar zeitweise ausgesetzt.

Der Dax hat nach seinem Einbruch vom Dienstag in weniger als vier Wochen rund 15 Prozent verloren.Für den Aufstieg hatte der Index der 30 größten deutschen Aktien mehr als doppelt so lange gebraucht.Die Ansichten, ob der Dax weiter fällt, gingen indes auseinander.Während manche Händler eine Stabilisierung auf jetzigem Niveau vorhersagten, hielten andere eine Fortsetzung der Talfahrt bis auf 5000 Punkte für möglich.Einig waren sich die Beobachter darüber, daß die Lage auf dem Parkett labil sei.

Massive Kursverluste beenden die Hausse

Anleger streichen Gewinne ein / Dow Jones-Index gibt kräftig nach / Indonesien schränkt Schuldendienst ein

Die Talfahrt an den deutschen Aktienmärkten hat sich am Dienstag fortgesetzt.Auf dem Parkett verlor der Dax 207,85 Punkte und schloß bei 5268,40 Zählern.Von den 30 größten deutschen Aktien konnten lediglich RWE und Mannesmann zulegen.Händler führten die erneuten Kursrückgänge auf die labile internationale Lage zurück.Zu Kurseinbrüchen kam es auch an anderen europäischen Börsen.Der Schweizer SMI Index gab um 3,5 Prozent auf 7447,9 Punkte nach.

An allen großen Börsenplätzen in Europa, Amerika und Asien ging es am Dienstag bergab.Der FT-100-Index in London gab um 154,70 auf 5419,40 Zähler nach.In Paris verlor der CAC 40 130,59 auf 3815,45 Zähler.Ungleich stärker traf es noch die Märkte in Asien.Neben den Leitbörsen in Tokio, Hongkong und Singapur verlor beispielsweise der Sammelindex in Kuala Lumpur 5,8 Prozent oder 18,58 Punkte auf 334,70 Zähler - den niedrigsten Stand seit neun Jahren.Bangkok büßte knapp zwei Prozent ein, Jakarta fiel um 3,5 Prozent und Manila um 3,8 Prozent.

Die Aktienmärkte befinden sich nach Einschätzung des DG-Bank-Analysten Marcel Mußler derzeit aus technischer Sicht im "freien Fall"."Die Bären sind los!" kommentierte Mußler am Dienstag mittag den Kursrückgang.Angesichts der sich verschärfenden Asienkrise könne der Dax sich nicht gegen den allgemeinen Trend halten, "und Sie sollten es im Moment auch nicht tun", warnt Mußler die Anleger.

Die nächste starke Unterstützung für den Dax sieht Mußler aus technischer Sicht bei 5000 Punkten.Davor gebe es außer bei 5132 "überhaupt kein technisches Motiv für den Dax anzuhalten".Ob dann die 5000 Punkte-Marke halten werden, müsse der Dax erst beweisen.Die Märkte seien in einer Phase, in der die Nachrichten über die Asienkrise dominierten, räumt Mußler ein.Auch an den übrigen europäischen Märkten sei eine "Kursattacke" im Gang.

"Wir erleben einen Crash auf Raten", meinte ein Frankfurter Aktienhändler.Seit seinem Rekordhoch auf dem Parkett am 20.Juli von 6171,43 Punkten ist das Kursbarometer um mehr als 900 Zähler eingebrochen.Es steht aber noch um knapp 24 Prozent höher als zum Jahresende 1997."Das Schlimme ist, daß keiner weiß, wie tief der Dax noch fallen wird", sagte der Händler.Einige Analysten sehen bei 4800 Punkten eine solide Unterstützung.

Aus Asien erreichten die Börsen am Dienstag nachmittag unterdessen neue Hiobsmeldungen.Die indonesische Regierung, so wurde bekannt, hat ihren Schuldendienst erstmals seit Ausbruch der Asienkrise eingeschränkt.Wie die Nachrichtenagentur AFP aus französischen Bankenkreisen in Jakarta erfuhr, überwies die indonesische Zentralbank bei drei am Montag fälligen Vorgängen ohne vorherige Absprache lediglich die Zinsen, nicht aber die Beträge zur Schuldentilgung.Wirtschafts- und Finanzminister Ginanjar Kartasasmita erklärte, die Regierung habe "mit der Umschuldung der Staatsschulden begonnen".Dies sei mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und dem Pariser Club der Geberländer so abgesprochen.Die Umschuldungsverhandlungen sind indessen offiziell noch nicht abgeschlossen."Die Regierung scheint den Ergebnissen vorgreifen zu wollen, indem sie einseitig Fakten schafft", kommentierte ein Analyst in Jakarta die Vorgänge.

Im Zuge der Asien-Krise verlor die Landeswährung Rupiah fast 80 Prozent ihres Wertes.Dies macht den Schuldendienst für das Land praktisch unmöglich.Rund 40 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze.Der IWF hat Indonesien ein Kreditpaket im Umfang von 46 Mrd.Dollar (knapp 82 Mrd.DM) vermittelt.

Aus Japan wurde bekannt, daß sich die Lage der Wirtschaft weiter verschlechtert hat.Im August-Konjunkturbericht der Regierung wird ein weiterer Rückgang der wirtschaftlichen Aktivitäten festgestellt.Im Juli war noch von Stagnation die Rede gewesen.Die Wirtschaft des Landes sei in einer "äußerst ernsten Situation".

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