Wirtschaft : Kursverluste: Die Talfahrt an den Weltbörsen hält an

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Am Mittwoch haben sich die Kurseinbrüche an den Weltbörsen wieder beschleunigt. Besonders Hochtechnologie-Aktien wie Chip-Produzenten verloren weiter an Wert und drückten die Stimmung an den Märkten. Auslöser waren die Umsatzzahlen des amerikanischen Computer-Herstellers IBM, die unter den Erwartungen der Analysten gelegen hatten. Eine beschleunigte Inflation in den USA schürte wieder Zinsängste. Der Dow-Jones-Index fiel unter die Marke von 10 000 Punkten.

Die Unruhen im Nahen Osten, der schwache Euro und eine Reihe schlechter Unternehmensnachrichten wie von IBM haben die Stimmung an den Weltbörsen auf einen Tiefpunkt gebracht. IBM hatte einen geringeren Umsatz als erwartet gemeldet - 21,8 Milliarden Dollar anstatt 22,4 Milliarden. Selbst ein Gewinnsprung um über zehn Prozent auf fast zwei Milliarden konnte die Analysten nicht positiv stimmen. Der Kurs verlor über 20 Prozent an Wert. Negativ wirken sich auch neuerlich aufflammende Zinsängste aus. Die Preise sind wegen der hohen Energiekosten in den USA im September stärker als erwartet gestiegen und machen so eine Zinserhöhung durch die amerikanische Notenbank wahrscheinlicher. In New York fiel daraufhin der Dow-Jones-Index der wichtigsten amerikanischen Aktien in den ersten 20 Handelsminuten um über drei Prozent unter die wichtige Marke von 10 000 Punkten.

Die neuerliche Verkaufsrunde begann in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch an der Tokioter Börse. Der Nikkei-Index rutschte um mehr als drei Prozent ab und fiel auf 14 872 Punkte. Dies ist der niedrigste Stand seit 19 Monaten. Mit der Unterschreitung der psychologisch wichtigen 15 000-Punkte-Marke sind Hoffnungen auf eine nachhaltige Erholung japanischer Aktien zunichte gemacht worden. Am Mittwoch morgen folgten die europäischen Börsen dem Trend nahtlos und gaben nach einem kurzen Widerstandsversuch deutlich Punkte ab.

An den deutschen Börsen gerieten vor allem die Aktien im Hochtechnologie-Bereich unter Druck. Nach einem sehr schwachen Handelsbeginn in New York verstärkte sich die Abwärtstendenz noch weiter. Der deutsche Aktienindex Dax, in dem die deutschen Börsen-Schwergewichte zusammengefasst sind, verlor bis zum späten Nachmittag über 1,4 Prozent auf 6437 Punkte. Der Neue Markt-Index Nemax 50 brach um vier Prozent auf 4103 Punkte ein, zeitweilig sogar um über sieben Prozent. Konkurs-Verfahren haben das Vertrauen in schnelles Wachstum und schnelle Gewinne zerstört. Negativ wirkt sich auch aus, dass einige Unternehmen zu lange an zu optimistischen Umsatzerwartungen festhielten und diese jetzt deutlich korrigieren müssen.

Zu den größten Verlierern im Dax gehörte der Chip-Hersteller Infineon mit einem Minus von 5,5 Prozent auf 44 Euro. Grund sind die verschlechterten Aussichten für die Halbleiter-Branche. Allgemein wird mit einem Preisverfall für Chips gerechnet, weil die Produktionskapazitäten weltweit ausgebaut werden. Am Dienstagabend hatte der weltweit größte Hersteller für Computer-Chips, die amerikanische Intel, gute Zahlen für das dritte Quartal 2000 veröffentlicht. Die Ergebnisse lagen bei Umsatz und Gewinn über den Erwartungen der Analysten. Doch hatte Intel bereits vorher eine Gewinnwarnung für die kommenden Quartale herausgegeben.

Schlusslicht im Dax waren die Papiere von Epcos. Das Unternehmen stellt unter anderem Bauelemente für Handys her und ist von einer Abkühlung der Nachfrage nach Mobiltelefonen betroffen. Die bisherigen Wachstumszahlen schwächen sich mit einer zunehmenden Marktsättigung ab. Davon sind auch die Handy-Hersteller wie die finnische Nokia betroffen. Bis vor wenigen Monaten noch ein gefeierter Star auf dem Parkett hat sich der Preis für Nokia-Aktien gegenüber den Höchstständen auf unter 35 Euro halbiert.

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