Wirtschaft : Kursverluste: Offener Wahlausgang in USA drückt Börsen

hop/pf

Die Aufwärtsbewegung an den internationalen Aktienmärkten am Freitagvormittag war nur von kurzer Dauer. Noch zu Handelsbeginn hatten Beobachter gehofft, die europäischen Märkte könnten sich dem weltweiten Abwärtstrend entziehen. Doch der Deutsche Aktienindex Dax rutschte schnell wieder ab, ebenso wie der Neue Markt. Auch die US-Börsen eröffneten am Nachmittag schwächer. Besonders hart traf es Technologiewerte.

Der Dax verlor am Freitag bis gegen 17 Uhr 75 Punkte auf 6884 Zähler. Starke Einbußen mussten die Dax-Schwergewichte Deutsche Telekom und SAP hinnehmen. Investmentbanker sagten, das knappe Wahlergebnis schwäche auch die amerikanische Börse. Ausländische Anleger hielten sich dort wegen der Unsicherheit zurück. Davon profitieren konnte hingegen zunächst der Euro. Die europäische Gemeinschaftswährung musste ihre frühen Kursgewinne jedoch im Laufe des Tages wieder abgeben.

An den Umsätzen ließ sich erkennen, dass die Anleger in den vergangenen Tagen auf den Urnengang in den USA gewartet hatten. Sowohl an der Wall Street als auch in Deutschland gingen die Umsätze nach der Veröffentlichung der Ergebnisse seit Mittwoch in die Höhe. Allein die Frankfurter Börse verzeichnete beim Volumen der gehandelten Aktien starke Zuwächse. Mit 5,6 Milliarden Euro war es am Donnerstag etwa ein Drittel größer als am Dienstag. Offensichtlich warteten viele nur auf einen Anlass zum Verkauf.

Die Kursverluste seien vorauszusehen gewesen, bestätigt Hans Jakob vom Bankhaus Löbbecke. "Selbst wenn die Präsidentschaftswahl glatt ausgegangen wäre, hätte es die Korrektur gegeben." Zurzeit dominiere ein langfristiger Abwärtstrend. In den kommenden Wochen erwarte er zwar eine deutliche Erholung an den Technologiebörsen wie Nasdaq und Neuer Markt. Doch seien die Aussichten insbesondere für den High-Tech-Sektor im kommenden Jahr eher gedämpft. Dies zeigen auch die jüngsten Zahlen beim amerikanischen Computerhersteller Dell, bei Siemens oder bei Infineon.

Zudem sei das weltweite Wirtschaftswachstum ins Stottern gekommen und das könnte die Gewinne der Unternehmen weiter belasten und ihre zum Teil immer noch hoch bewerteten Aktien unter Druck setzen. Und wer immer Präsident der Vereinigten Staaten wird, an der Steuerpolitik wird er in den kommenden Jahren wegen seines hauchdünnen Mandats wenig ändern können. Dies erweitert in den Augen von Beobachtern den Handlungsspielraum der US-Notenbank, der Notenbank Federal Reserve (Fed): sie kann schalten und walten wie sie will. Die Fed hat die monetäre Bremse bereits scharf angezogen. Die sechs Zinsanhebungen seit Juni des vergangenen Jahres haben gewirkt: nach den jüngsten Daten hat sich die Auftragslage in den USA abgeschwächt und die Einzelhandelsumsätze sind zurückgegangen. Von einem "harten Aufschlag" der US-Wirtschaft kann allerdings nicht die Rede sein. Die Lage am Arbeitsmarkt bleibt angespannt und die Löhne steigen. Die Inflationsrate könnte also wieder zunehmen. Die Fed wird dann erneut die Zinsschraube anziehen müssen. Eine Zinssenkung, auf die der Markt für das kommende Jahr hofft, würde ein Wunsch bleiben, zumal die Ölpreise weiterhin hoch sind und im Falle einer Verschärfung des Nahostkonflikts weiter steigen könnten.

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